Donnerstag, 10. September 2015

Rezension: Arturo Pérez-Reverte - Dreimal im Leben

OT: El tango de la Guardia Vieja  
Preis: 22,95€
Einband: Hardcover
Seitenanzahl: 525 Seiten
Verlag: Insel (Suhrkamp)
ISBN:
978-3458175803

Erscheinungsdatum: 05. August 2013
Genre: Roman
Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 4/5 Sterne


 
Klappentext Auf einem Ozeandampfer begegnen sie sich das erste Mal. Es ist das Jahr 1928, Max – jung und von wildem Charme – arbeitet als Eintänzer in der ersten Klasse. Mecha zieht ihn augenblicklich in den Bann, ihre aparte Schönheit, der weltberühmte Komponist an ihrer Seite, das funkelnde Collier um ihren schlanken Hals. Es folgt ein Tanz, ein nichtssagender Smalltalk, der verheißungsvoller nicht sein könnte. In Buenos Aires angekommen, führt Max das Paar durch die zwielichtigen Tangobars seiner Geburtsstadt. Doch in dieser Nacht geraten die Dinge außer Kontrolle, und für Max und Mecha beginnt das Abenteuer ihres Lebens: die große Liebe. Eine Liebe, die erst viele Jahre später auf der Promenade Nizzas zwischen entrücktem Glamour und den Wirren des Krieges eine zweite Chance erhält.

Das Cover finde ich, ebenso wie den Klappentext, absolut gelungen und passend zu der Geschichte. Leider hatte ich zu Beginn einige Probleme in die Geschichte hineinzufinden. Der Schreibstil ist recht komplex und zu Beginn gewöhnungsbedürftig. "Dreimal im Leben" ist somit kein Buch, dass man "mal eben kurz" liest. Auch größere Pausen sollte man beim Lesen vermeiden, da es sonst schwer werden könnte, wieder hineinzufinden.

Besonders gut gefallen hat mir die Atmosphäre, die Arturo Pérez-Reverte in "Dreimal im Leben" schuf. Als Leser fühlt man sich an verschiedenste Orte versetzt und spürt das Leben in der jeweiligen Zeit. Und ich spürte es wirklich, sah die beschriebenen Orte, tanzte den Tango und lernte die Charaktere kennen. Denn auch diese sind unglaublich gut gezeichnet und authentisch. Auch wenn ich die beiden Protagonisten nicht unbedingt in mein Herz schloss - Mecha war mir viel zu kühl, Max hingegen zu arrogant - konnte ich mir die beiden sehr gut vorstellen. Eine gute Geschichte muss ja nicht zwangsläufig sympathische Charaktere beinhalten. Die Liebesgeschichte, die der Klappentext verspricht, konnte ich in diesem Buch nicht finden. Die beiden haben eine unglaubliche Anziehungskraft aufeinander, was auch die vielen Jahre in welchen sie sich nicht sahen, nicht verändert. Diese Anziehungskraft konnte ich fühlen. Doch eine starke Liebe konnte ich während des Lesens nicht ausmachen.

Auch der Schreibstil konnte mich nicht ganz überzeugen. Viel zu oft wiederholten sich Worte oder Beschreibungen. An einigen Stellen hatte ich das Gefühl, dass der Autor mit aller Gewalt versuchte, einen Satz möglichst poetisch klingen zu lassen oder diesen unnötig verschachteln wollte. Der Schreibstil wirkte nicht immer natürlich sondern an einigen Stellen sehr gewollt. Wie bereits erwähnt ist er zudem nicht einfach zu lesen, sondern anspruchsvoll, was jedoch nicht als Kritik aufgefasst werden soll.

Der Hauptgrund, weshalb ich in der Endwertung zwei Sterne abziehe, liegt an der Handlung selbst. Stellenweise konnte mich diese mitreissen. Ich liebte das Gefühl das ich beim Lesen hatte ebenso wie die Atmosphäre. An anderen Stellen widerum war ich von zu detailreichen Beschreibungen wie bspw. die genaue Einführung in den Tango, gelangweilt. Zudem verlor sich der Autor noch in zahlreichen Beschreibungen, Erklärungen und Fachsimpeleien eines Schachspiels.

Fazit: Ein toller Roman der insbesondere durch die Zeichnung der Charaktere und der besonders dichten Atmosphäre begeistert. Die Handlung sowie der Schreibstil hingegen, konnten mich jedoch nicht ganz überzeugen. Empfehlenswert ist dieses Buch insbesondere, für Personen die Interesse an Tango oder Schach - oder im besten Fall sogar an beidem - haben. 

Kommentare:

  1. Hallo liebe Corina,

    wie schön, dass du "Dreimal im Leben" auch gelesen hast. Ich selbst habe es vor einiger Zeit (wann genau, weiß ich nicht mehr, aber es war noch vor meiner Zeit als Bloggerin) gelesen, da ich es via vorablesen erhalten habe, und ich weiß noch, dass mein Gesamteindruck eigentlich sehr positiv war, obwohl ich das Lesen damals teilweise als ein wenig anstrengend empfunden habe. Ich finde auch, dass man während dem Lesen nicht so lange Pausen einlegen sollte, sonst kann es wirklich schwierig sein, wieder in die Geschichte einzutauchen, das stimmt!

    Max war mir auf jeden Fall sympathischer als Mecha. Für mich war diese Frau ebenfalls sehr kühl und distanziert. Ich mochte sie nicht besonders, aber im Grunde hat sich das auf mich auch nicht negativ auf meine Bewertung ausgewirkt, denn der Hauptprotagonist war ja schließlich Max und den konnte ich ganz gut leiden.^^

    Daran, dass das Geschrieben unnötig oft verschachtelt war oder der Autor zwanghaft versucht hat, seine Sätze poetisch klingen zu lassen, daran kann ich mich nicht mehr erinnern, ich weiß nur mehr, dass der Schreibstil etwas gehobener/anspruchsvoller war - was ich auch, wie oben schon geschrieben - anstrengender fand zu lesen.

    Aber mir gefällt deine Rezension richtig gut - sehr schön, ausführlich und aussagekräftig geschrieben. Als Leser weiß man, worauf man sich einzustellen hat, wenn man deine Kritik liest. Großes Lob! :-)

    Alles Liebe ♥,
    Janine aus Meine Welt der Bücher

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    1. Hallöchen Janine :)

      Ohhh, vielen Dank für das Kompliment ♥ Das freut mich wirklich total!

      Stimmt! Obwohl ich die beiden Charaktere ja nicht besonders sympathisch fand, war mir Max mit seiner Arroganz dennoch lieber als Mecha^^

      Viele liebe Grüße,
      Corina

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