Mittwoch, 30. Dezember 2015

Rezension: Francesca Haig - Das Feuerzeichen

OT: The Fire Sermon
Preis Ebook: 13,99 €
Preis Hardcover: 16,99€ 
Seitenanzahl: 477 Seiten
Verlag: Heyne fliegt
ISBN: 978-3-453-27013-8


Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2015 
Genre: Dystopie 
Reihe: Band 1/3  
Meine Wertung: 3,5 Sterne

Klappentext Vierhundert Jahre in der Zukunft: Durch eine nukleare Katastrophe wurde die Menschheit zurück ins Mittelalter katapultiert. Es ist eine Welt, in der nur noch Zwillinge geboren werden. Zwillinge, die so eng miteinander verbunden sind, dass sie ohne einander nicht überleben können. Allerdings hat immer einer von beiden einen Makel. Diese sogenannten Omegas werden gebrandmarkt und verstoßen. Es ist die Welt der jungen Cass, die selbst eine Omega ist, weil sie das zweite Gesicht besitzt. Während sie Verbannung, Armut und Demütigung erdulden muss, macht ihr Zwillingsbruder Zach Karriere in der Politik. Cass kann und will diese Ungerechtigkeit nicht länger ertragen und beschließt zu kämpfen. Für Freiheit. Für Gerechtigkeit. Für eine Welt, in der niemand mehr ausgegrenzt wird. Doch die Rebellion hat ihren Preis, denn sollte Zach dabei sterben, kostet das auch Cass das Leben.

Schon lange habe ich mich auf diesen Auftakt einer neuen dystopischen Trilogie gefreut. Die Grundidee war mir neu und dementsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Das Cover finde ich richtig toll. Wenn man das Buch in den Händen hält, wirkt es noch viel eindrucksvoller als auf dem Bildschirm. Die "verbrannten" Stellen wirken total echt und machen das Buch zu einem Hingucker. Das Cover passt für mich, ebenso wie der Titel, perfekt zum Inhalt des Buches. Auch der Klappentext ist sehr passend gewählt. Er verrät so viel, dass der Leser abschätzen kann, ob ihm das Buch zusagt, nimmt dabei aber nicht zu viel vorweg.

Die Idee von einer Welt in welcher nur noch Zwilligsgeburten, einer der Zwillinge ein Omgea der andere ein Alpha, auftauchen, gefiel mir auf Anhieb. Zudem wurde diese Idee sehr interessant ausgearbeitet und konnte mich überzeugen. Der Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr gut. Er ist flüssig und angenehm zu lesen. Die Seiten fliegen dahin und man merkt kaum, wie die Zeit vergeht.

Die Charaktere sind für mich der Hauptgrund, weshalb ich dem Buch nicht die Bestwertung gebe. Cass und Kip waren mir zwar sympathisch, nahmen jedoch erst zum Schluss etwas Farbe an. Ich konnte ihnen kein Gesicht zuordnen und auch charakterlich blieben sie mich für den Großteil der Geschichte sehr blass. Hier hätten mehr Details nicht geschadet. Sehr gut beschrieben wurden hingegen die Nebencharaktere, wie bspw. Zach, die Beichtmutter oder Piper. Die Autorin kann es also. Weshalb sie den Protagonisten nicht mehr Tiefe verlieh, bleibt mir ein Rätsel. Zum Ende hin wurde es zwar etwas besser, doch ich hoffe sehr, dass die Protagonisten in Band 2 etwas "lebendiger" werden.

Der Anfang des Buches war sehr, sehr ruhig. Dennoch hat er mir sehr gut gefallen. Wir erfahren mehr über diese dystopische Welt, über die Alphas, die Omegas und die Regierung. Nach ca. 100 Seiten nimmt das Buch, mit einer unerwarteten Enthüllung, an Tempo zu. Diese Enthüllung war spannend und schockierend zugleich. Leider konnte dieses Tempo während der nächsten 100 Seiten nicht gehalten werden. Diese empfand ich als etwas zäh, doch was dann kam konnte mich zu 100% überzeugen. Die Spannung der zweiten Hälfte des Buches war kaum zu überbieten. Ich fieberte mit Cass und den anderen und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Hier überzeugte mich Francesca Haig vor allem mit neuen Ideen und einer dichten Atmosphäre, die diesen Auftakt einzigartig macht. Das Ende war für mich unvorhersehbar und überraschend. Ich hatte mit einigem gerechnet, doch niemals mit dem, was Francesca Haig mir geboten hat. Das Buch endet mit einem ziemlich fiesen Cliffhanger, sodass ich den zweiten Band der Trilogie sehnsüchtig erwarte.

Fazit: Ein Auftakt, der mich trotz Schwächen durch seine Originalität, seine Atmosphäre und die interessante Idee überzeugen konnte. Ich liebe es, wenn ein erster Band nicht das gesamte Potenzial ausschöpft, sondern Platz für die Folgebände lässt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Folgebände noch spannender werden und kann es kaum erwarten, den zweiten Band zu lesen.

Samstag, 26. Dezember 2015

Rezension: Salman Rushdie - Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte

OT: Two Years, Eight Month and Twentyeight Nights
Preis: 19,99€
Format: 1 MP3-CD
Laufzeit:
11h 59Minuten
 
Gelesen von: Simon Jäger
Verlag: Der Hörverlag


ISBN:
978-3-8445-1905-1

Erscheinungsdatum: 21. September 2015
Genre: Roman

Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 2/5 Sterne


Klappentext Dunia, die Fürstin des Lichts, verliebt sich in den Philosophen Ibn Rush und zeugt mit ihm viele Kinder, die in die Welt hinaus ziehen. Ibn Rush gilt als Gottesfeind, sein Gegenspieler ist der tiefgläubige islamische Philosoph Ghazali. Die Geister der beiden geraten in Streit. Der Kampf des Glaubens gegen die Vernunft beginnt und entfacht einen so furchtbaren Sturm, dass sich im Weltall ein Spalt öffnet, durch den die zerstörerischen Dschinn zu uns kommen. Die Existenz der Welt steht auf dem Spiel. Dunia entschließt sich, den Menschen zu helfen.

Simon Jäger war mir als Hörbuchsprecher bereits aus Hörbüchern von John Katzenbach und Sebastian Fitzek ein Begriff. In Filmen leiht er u.a. Matt Damon seine Stimme. Ich mag sowohl seine Art zu Lesen als auch seine Stimme selbst, weshalb mich Hörbücher mit ihm meist interessieren. Auch in "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte" passt er seine Stimme wieder in Perfektion der Geschichte an und überzeugte mich einmal mehr.

Der Beginn des Hörbuches hat mir sehr gefallen. Salman Rushdie hat einen sehr eigenen Humor, in welchem er seine Kritik verpackt ohne diese zu entschärfen. Dieser konnte mich sofort mitreissen. Auch die Geschichte selbst begann sehr interessant und außer-gewöhnlich. Teilweise philosophisch und beinahe immer gesellschaftskritisch erinnerte mich das Buch nicht nur einmal an eine Satire.

Auch der Schreibstil ist außergewöhnlich und nur schwer zu beschreiben. Der Aufbau des Buches ist sehr komplex, so gibt es in Salman Rushdies Werk mehrere ineinander verschachtelte Ebenen, denen ich nicht immer folgen konnte. Ein Großteil der Sätze ist ebenfalls sehr verschachtelt und zieht sich teilweise über mehrere Zeilen hinweg. Leider gab es hier zusätzlich auch noch einige Längen, in welchen der Autor über viele Seiten (im Falle des Hörbuches Minuten) die Welt der Dschinn beschrieb. Teilweise fühlte ich mich komplett verloren und hatte große Mühe irgendwie wieder in die Geschichte zu finden. Zum Ende hin war ich einfach nur noch frustriert, weil mir dies nicht gelingen wollte.

Fazit: Salman Rushdies "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Tage" ist keine leichte Kost. Bei aller Liebe zu Simon Jäger: Ich wünschte ich hätte dieses Buch gelesen und nicht gehört. Vielleicht wäre es mir dann leichter gefallen der Geschichte zu folgen?

Freitag, 25. Dezember 2015

Rezension: Emily St. John Mandel - Das Licht der letzten Tage

OT: Station Eleven
Preis Ebook: 12,99 €
Preis Softcover: 14,99€
Seitenanzahl: 416 Seiten 
Verlag: Piper

ISBN: 978-3-492-06022-6
Erscheinungsdatum: 14. September 2015
Genre: Sci-Fi
Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 3,5/5 Sterne

Klappentext Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der letzten Tage langsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war. Sie vermissen all das, was einst so wundervoll und selbstverständlich war, und sie weigern sich zu akzeptieren, dass alles für immer verloren sein soll. Auf ihrem Weg werden sie von Hoffnung geleitet – und Zuversicht. Denn selbst das schwächste Licht erhellt die Dunkelheit. Immer.

Das Cover ist schlichtweg ein Traum. Es war Liebe auf den ersten Blick und passt meines Erachtens, ebenso wie der Titel, perfekt zum Inhalt des Buches. Auch wenn der Klappentext ebenfalls gut passt, könnte er dennoch ein falsches Bild von dem Buch vermitteln. "Das Licht der letzten Tage" ist keineswegs eine Dystopie im klassischen Sinne und beinhaltet weder eine rasante noch eine actionreiche Handlung. Vielmehr lebt dieses Buch von den ruhigen Tönen der Autorin.

Der Schreibstil von Emily St. John Mandel ist ein wahrer Genuss. Eindringlich, poetisch, malerisch und teilweise anspruchsvoll erzählt die Autorin die Geschichte einer Welt, in welcher 99% der Menschheit an der georgischen Grippe starb. Vor allem aber trägt sie den Leser an verschiedene Orte, zwingt ihn, aus verschiedenen Perspektiven zu sehen und hüllt ihn in eine dichte Atmosphäre, sodass der Leser sich fühlt, als lebe er selbst in der Welt, welche die Autorin in "Das Licht der letzten Tage" zeichnete.

Die Charaktere sind allesamt authentisch. Manche sind sympathisch, andere weniger, doch insgesamt hat Emily St. John Mandel auch hier einen sehr guten Job gemacht.

Das Buch umfasst 55 recht kurze Kapitel und ist in neun Teile unterteilt. Hierbei wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Und hier kommen wir auch schon zum Knackpunkt, weshalb ich dem Buch keine vollen fünf Sterne gebe. Ich kann die Anzahl der verschiedenen Perspektiven leider nicht benennen und so gerne ich Perspektivenwechsel auch mag: Hier waren es für mich ein paar zu viel davon.

Einen klaren Protagonisten gibt es nicht, auch wenn sich in dem Buch alles um den Schauspieler Arthur Leander dreht. Den Handlungsstrang um Miranda mochte ich, auch wenn er in der Zeit vor der georgischen Grippe spielte, am liebsten. Mit dem Handlungsstrang von Kirsten, einer jungen Frau aus der Zeit nach der georgischen Grippe, die völlig fasziniert von Arthur Leander und die Comics "Das Licht der letzten Tage" von Miranda ist, mochte ich hingegen leider weniger. Sie zieht mit einer Symphonie, in der die Charaktere lediglich die Namen ihrer Instrumente tragen (Tuba, Geige, etc.), durch das Land. Zwar konnten mir diese Kapitel ein gutes Bild von der Welt nach der Grippe vermitteln, doch der Funke sprang bei mir einfach nicht über. Oftmals geriet ich sogar in Versuchung Passagen oder sogar ganze Seiten zu überspringen, weil mich einfach nicht interessierte, wie es mit der Synphonie weiter ging.

Fazit: Wie bewertet man ein Buch, dass man stellenweise für seine Poesie, seine Charaktere und die Atmosphäre liebte und sich dann wieder seitenlang langweilte? Ich weiß es nicht. Ich gebe dem Buch 3,5 Sterne, weil sich diese am ehesten "richtig" anfühlen. Dennoch möchte ich dieses Buch jedem empfehlen, der einen guten Schreibstil und eine tolle Atmosphäre zu schätzen weiß. 

Dienstag, 22. Dezember 2015

Rezension: Vera Buck - Runa

Preis Ebook: 15,99 €     
Preis Hardcover: 19,99€
Seitenanzahl: 608 Seiten  
Verlag: Limes
ISBN: 978-3-8090-2652-5

Erscheinungsdatum: 24. August 2015
Genre: Historischer Medizin-Thriller  
Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 4/5 Sterne

Klappentext "Man kam nicht her, um zu genesen, sondern um zu sterben." Paris 1884. In der neurologischen Abteilung der Salpêtrière-Klinik führt Dr. Charcot Experimente mit hysterischen Patientinnen durch. Seine Hypnosevorführungen locken Besucher aus ganz Europa an; wie ein Magier lässt der Nervenarzt die Frauen vor seinem Publikum tanzen. Dann aber wird Runa in die Anstalt eingeliefert, ein kleines Mädchen, das all seinen Behandlungsmethoden trotzt. Jori Hell, ein Schweizer Medizinstudent, wittert seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen, und schlägt das bis dahin Undenkbare vor. Als erster Mediziner will er den Wahnsinn aus dem Gehirn einer Patientin fortschneiden. Was er nicht ahnt: Runa hat mysteriöse Botschaften in der ganzen Stadt hinterlassen, auf die auch andere längst aufmerksam geworden sind. Und sie kennt Joris dunkelstes Geheimnis …

Normalerweise greife ich nur sehr, sehr selten zu historischen Romanen. "Runa" machte mich jedoch neuierig. Das geheimnisvolle Cover gefällt mir ausgesprochen gut und erregte sofort meine Aufmerksamkeit. Nicht anders ging es mir mit dem Klappentext. Auch diesen finde ich, besonders im Zusammenspiel mit dem Cover, sehr gelungen. Schnell war für mich klar: Dieses Buch muss ich lesen.

Ich merkte bereits auf den ersten Seiten, dass ich ein besonderes Buch in den Händen hielt. Das Buch zog mich sogleich in seinen Bann, seine Atmosphäre umfasste mich schlagartig und so dauerte es nur wenige Seiten, bevor ich das erste Mal eine Gänsehaut bekam.

Vera Buck hat einen unglaublichen Schreibstil und setzt diesen auch geschickt zur Zeichnung von Orten und Personen ein. Je nach Perspektive änderte sich auch der Schreibstil, wodurch man die verschiedenen Handlungssträge sehr gut auseinanderhalten kann. Dazu gefiel mir auch die Sprache sehr, sehr gut und ich konnte kaum glauben, dass es sich bei Runa um einen Debütroman handelte.

Die Charaktere konnten mich vor allem deshalb begeistern, weil sie weder gut noch böse waren. Dies trifft zumindest auf Jori und Lecoq (mein Favorit in diesem Buch!) zu. Die Charaktere sind unglaublich vielschichtig und wirken daher auch besonders authentisch. Jori, der Protagonist, war mir zu Beginn nicht besonders sympathisch. Er vergötterte im Stillen den grausamen Nervenarzt Charcot und hinterfragte dessen Handeln nicht. Doch während des Buches macht Jori eine sehr spannende Entwicklung durch, in welcher er zu Hinterfragen beginnt.

Wie bereits erwähnt konnte mich das Buch von der ersten Seite packen. Allerdings muss ich zugeben, dass die Begeisterung nach ca. 80 Seiten ein wenig nachlies. Zu Beginn gab einfach vieles (gewollt!) keinen Sinn. Ich las von verschiedenen Charakteren, wobei Joris Geschichte den größten Platz einnahm, die auf den ersten Blick rein gar nichts miteinander zu tun hatten. Ich fragte mich, wann diese sich endlich über den Weg laufen würden. Nach und nach wurden die Geschichten geschickt miteinander verwoben und ab der Hälfte konnte mich "Runa" wieder begeistern.

Das Ende von "Runa" lies mich ein wenig enttäuscht zurück, denn eine "Sache" blieb zum Schluss offen. Gerne hätte ich noch mehr über die verschiedenen Charaktere erfahren.

Zum Genre: Da ich nun schon öfter gelesen habe, dass jemand sich fragte, ob das Buch auch für ihn geeignet sei, möchte ich gerade zu diesem "gefürchteten Grusel" und dem Genre ein paar Sätze los werden. Ich lese Krimis, ich lese Thriller. Wer nur schwer von Gewalt lesen kann, sollte von "Runa" die Finger lassen. Nur, weil die Geschichte um "Runa" Fiktion ist, gilt dies leider nicht für die medizinischen Gebräuche des späten 19. Jahrhunderts. Und diese Gewissheit war für mich der wahre Grusel: Das Wissen, das ein "Sex Baton" oder eine "Ovarienpressen" nicht der Fantasie der Autorin entsprungen sind.

Fazit: Ein Buch, das mich während des Lesens zum Nachdenken brachte. Selbst jetzt, drei Wochen nach der Beendung des Buches, bin ich immer noch fasziniert von der Geschichte.