Samstag, 30. Januar 2016

Rezension: Carlos Ruiz Zafon - Der Schatten des Windes (Hörspiel)

Preis: 10,00 €
Format: Hörspiel, 2 CD's
Laufzeit: 2h 34 Min
Gelesen von Matthias Schweighöfer, Michael Habeck, Sylvester Groth, uvm.

Verlag: Der Hörverlag

ISBN: 978-3-86717-407-7

Erscheinungsdatum: 11. Februar 2009
Genre: Roman
Reihe: Band 1/3
Meine Wertung: 4/5 Sterne


Klappentext  Unaussprechliche Geheimnisse, unglückliche Lieben und dramatische Schicksale vor dem Hintergrund des Barcelona der 50er Jahre: Zu spanischen Klängen und dem Gemurmel der nächtlichen Großstadt entführt das Hörspiel in die geheimnisvolle Welt der Bibliotheken und vergessenen Bücher. Auf der Suche nach Julián Carax, dem geheimnisumwitterten Autor, verlieren sich die Schritte Daniels im undurchschaubaren Labyrinth der verwinkelten Gassen und verlassenen Paläste. Und nur eines ist sicher: Diese Geschichte wird nicht nur Daniel ein Leben lang begleiten ...

Das Stimmengewirr von Barcelona, das gedämpfte Raunen der Bibliotheken und die Stimmen schöner Frauen werden zum Hörerlebnis. Mit Matthias Schweighöfer als Daniel und Erzähler, Michael Habeck als Fermin Romero de Torres, Sylvester Groth als Julián Carax und Laín Coubert und vielen anderen.

Bevor ich an die eigentliche Rezension gehe, möchte ich sagen, zu welchem „Zweck“ ich das Hörbuch gehört habe. Die Geschichte um „Der Schatten des Windes“ war mir bereits bekannt. Da ich das Buch jedoch vor einigen Jahren gelesen habe und mich nicht mehr an allzu viele Details erinnern konnte, wollte ich die Geschichte nochmal lesen bzw. hören, bevor ich mit der Reihe fortfahre. Dafür ist dieses stark gekürzte Hörspiel auch hervorragend geeignet.
 
Ich war wirklich gespannt, wie mir die Umsetzung des Hörspiels gefallen würde. Von den Stimmen und den Hintergrundgeräuschen war ich absolut begeistert. Die einzelnen Komponenten harmonisieren perfekt miteinander und geben dem Zuhörer das Gefühl, als würde er selbst durch die Gassen von Barcelona schlendern.

Auf die Geschichte selbst möchte ich gar nicht zu genau eingehen. Bereits vor einigen Jahren habe ich sowohl die Geschichten, als auch die Ideen und den Schreibstil des Autors kennen und lieben gelernt. Besonders der enge Grat, auf welchem Realität und Fantasie miteinander verschwimmen, konnte mich damals wie heute begeistern. Zentrum der Geschichte ist der junge Daniel Sempere. Sein Vater, ein Buchhändler, nimmt ihn im Kindesalter mit zum Friedhof der vergessenen Bücher. Jeder, der den Friedhof zum ersten Mal betritt, darf sich ein Buch aussuchen. Doch genau dieses Buch wird das Leben von Daniel für immer verändern. Unterstrichen wird die geheimnisvolle Geschichte von dem bildhaften und wortgewaltigen Schreibstil des Autors, dessen Sprache ein wahrer Genuss ist.

Wer die Geschichte noch nicht kennt, sollte unbedingt zu dem ungekürzten Hörbuch oder dem Buch selbst greifen. Es ist klar, dass ein 565-Seiten Buch, das auf 154-Minuten gekürzt wurde (die ungekürzte Fassung hat eine Spieldauer von über 16h), nicht alles beinhalten kann, was die eigentliche Geschichte ausmacht. Vielmehr handelt es sich bei dem Hörspiel um eine kurze, knackige Zusammenfassung die von dem tollen Zusammenspiel von Geräuschen und unterschiedlichen Stimmen unglaublich lebendig und authentisch ist. Dennoch hatte selbst ich des Öfteren Schwierigkeiten den Geschehnissen zu folgen und das, obwohl ich die Geschichte ja bereits kannte.

Fazit: Alle, die sich hier die gesamte Geschichte des Buches erhoffen, werden vermutlich enttäuscht werden. Zu vieles wurde weggelassen als dass man sich wirklich in die Geschichte fallen lassen könnte. Für alle, die sich jedoch eine Wiederauffrischung des Buches wünschen, ist dieses Hörspiel hervorragend geeignet.



Sonntag, 24. Januar 2016

Rezension: Val McDermid - Northanger Abbey

OT: Northanger Abbey
Preis Ebook: 15,99€
Preis Hardcover: 19,90€
Seitenanzahl: 304 Seiten
Verlag: Harper Collins 
 
ISBN: 978-3959670180
Erscheinungsdatum: 11. Januar 2016 
Genre: Roman / Klassiker-Adaption 
Reihe: Einzelband 
Meine Wertung: 3/5 Sterne
 
Klappentext Lesen ist gefährlich! Zu gern verliert die 17-jährige Pfarrerstochter Cat Morland sich in der Welt der Bücher und träumt von aufregenden Abenteuern. Die sie im ländlichen Piddle Valley niemals finden wird! Doch dann darf sie ihre Nachbarn, die Allens, zu einem Kulturfestival nach Edinburgh begleiten. Wo sie nicht nur unerwartet in Bella Thorpe eine neue Freundin findet, sondern sich in den jungen, aufstrebenden Rechtsanwalt Henry Tilney verliebt. Als Henry und seine Schwester Eleanor sie auf den schönen, aber düsteren Familiensitz Northanger Abbey einladen, geht Cats Fantasie mit ihr durch. Was, wenn hier ein Verbrechen stattgefunden hat? Und tatsächlich wird es für sie gefährlich – wenn auch auf unerwartete Weise. 

Das Cover des Buches gefällt mir sehr gut. Der Schutzumschlag ist aus einem samtigen Material und fühlt sich so toll an ♥ Das Cover ist in recht düsteren Farben gehalten, die zunächst nur wenig, später aber immer besser zum Buch passen. Zu sehen ist ein Mädchen, vermutlich Cat. Ich liebe Buchcover, bei welchen die Protagonistin von hinten gezeigt wird. Sie untersützen die Vorstellungskraft des Lesers, ohne das Gesicht vorzugeben.

Schon in dem Moment, als ich gesehen habe, dass dieses Buch auch auf deutsch erscheinen wird, freute ich mich wie eine Verrückte auf "Northanger Abbey" von Val McDermid. Die Idee des Jane Austen Projekt, in welchem auf englisch noch mehr Bücher verschiedener Autoren erschienen sind, finde ich total spannend. Ich liebe Val McDermids Schreibstil und Jane Austens Geschichten. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Zu Beginn wurden diese leider nicht erfüllt und Enttäuschung machte sich breit. Auch wenn Val McDermids Schreibstil auch hier wieder grandios ist und auch die Geschichte selbst vielversprechend schien, konnte mich das Zusammenspiel dieser beiden Aspekte nicht überzeugen. Der Schreibstil  erinnerte mich stark an Bücher des frühen 20. Jahrhunderts. Doch dieses Buch spielt in der heutigen Zeit. Smartphones, Facebook, Twitter...all das findet man in dieser Adaption. Doch die Dialoge und auch die Verhaltensweisen der Charaktere sind größtenteils nicht zeitgemäß und so zerrten in meinem Kopf verschiedene Bilder aneinander, doch keines wollte sich einstellen.

Auf den ersten 80 Seiten hatte ich also wirklich große Probleme ins Buch zu finden. Diese wurden nicht zuletzt wegen der äußerst nervigen und unsympathischen Nebencharaktere hervorgerufen. Cats Bruder James, auch Jamie genannt, bliebt für mich die größte Zeit blass und zeigte kaum Persönlichkeit. Viel schlimmer waren jedoch die oberflächliche Bella und ihr total bescheuerter Bruder Johnny. Natürlich ist die nervige Art der beiden gewollt und doch fragte ich mich immer wieder, weshalb Cat mit Bella befreundet ist. Auch Cats Schwärmerei für den attraktiven Anwalt Henry, zu dem ich mir bis zum Schluss ebenfalls keine Meinung bilden konnte, konnte ich zunächst nicht nachvollziehen. Die beiden haben lediglich in einem Tanzkurs miteinander getanzt und sie war sofort Feuer und Flamme. Die besonderen Momente, die diese Schwärmerei hervorrufen könnten, haben mir gefehlt. Cat mochte ich während des Lesens zwar sehr gerne, doch wegen ihrer naiven Art, konnte ich, vor allem in der zweiten Hälfte des Buches, teilweise nur den Kopf schütteln.

Das klingt jetzt alles total negativ, doch nach ca. 80 Seiten merkte ich, wie ich mit der Art des Buches immer besser klar kam. Langsam entwickelte es einen Sog auf mich und ich war gespannt, wie es mit Cat weiter gehen würde. Erwähnenswert finde ich, dass Cat erst auf S. 200 nach Northanger Abbey gelangt. Davor besucht sie mit ihren Nachbarn und ihren Freunden verschiedene Events in Edinburgh. Die Geschehnisse auf Northanger Abbey waren leider so abstrus, dass auch das Ende mich nicht überzeugen konnte. Zudem blieb für mich eine wichtige Frage unbeantwortet.

Fazit: Ein besonderes Buch, dass es mir aber aufgrund dieser Besonderheit teilweise sehr schwer machte. Anfang und Ende des Buches empfand ich, vor allem neben dem starken Mittelteil, sehr schwach. Ein Buch, das mich mit gemischten Gefühlen zurück lässt.

Montag, 18. Januar 2016

Rezension: Elisabeth Herrmann - Seefeuer

Preis: 19,99 €
Format: Hörbuch, 1 MP3-CD
Laufzeit: 7h 18 Min
 

Gelesen von Laura Maire
Verlag: Der Hörverlag
 
ISBN:
978-3-8445-1334-9

Erscheinungsdatum: 23. Juni 2014
Genre: Jugendthriller  
Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 3,5/5 Sterne


Klappentext Bei der Rettung von zwei Seehunden kollidiert Maries Schiff mit einem Wrack. Es ist die "Trinity", die vor über sechzig Jahren in einer stürmischen Nacht gesunken ist. Als die ersten Schatzsucher auftauchen, die das Schiff mit seiner kostbaren Fracht nach so langer Zeit bergen wollen, ist es mit der Ruhe im idyllischen Friedrichskoog vorbei. Vor allem Vince, ein junger Freitaucher, bringt Marie gehörig durcheinander. Erst recht, als Marie von ihm erfährt, dass das Schicksal ihrer Familie auf tragische Weise mit dem Untergang der "Trinity" verwoben ist. Plötzlich scheint nichts in Maries Leben mehr zu stimmen. Was ist damals an Bord geschehen? Wer konnte sich noch retten? Marie beginnt, gefährliche Fragen zu stellen. Denn es gibt jemanden, der das Geheimnis der "Trinity" um jeden Preis bewahren will. Um die Wahrheit herauszufinden, muss Marie hinunter in die Tiefe – hinein in eine mörderische Falle, aus der es kein Entrinnen gibt. 

Die Stimme der Hörbuch- und Synchonsprecherin Laura Maire kennt man unter anderem bereits als deutsche Stimme von Ashley Cullen (Twilight). Des Weiteren lieh sie Ygitte aus "Game of Thrones" ihre Stimme und las das Hörbuch "Divergent" von Veronica Roth. Zu der Geschichte rund um Marie und der mysteriösen Trinity passte Laura Maires Stimme perfekt. Besonders angetan war ich von den kurzen Kapiteln, die nicht aus Maries Sicht erzählt wurden. Hier veränderte Laura Maire ihre Stimme so stark, dass ich sie niemals wieder erkannt hätte.

Marie gehört zu der in Friedrichskoog überall bekannten Vosskamp-Familie. Ihrer Familie gehört ein gigantisches "Tee-Imperium", doch die Geschäfte laufen derzeit nicht besonders gut. Doch Geld ist Marie nicht wichtig. Sie macht ein Praktikum bei Seehundstation und wenn man Marie mit ihrer Mutter vergleicht, ist ganz klar Marie die Vernünftige der beiden. Sie führt ein ganz normales Leben...bis das Schiffswrack der Trinity, dass vor mehr als sechzig Jahren sank und bei welchem ihre Großmutter die einzige Überlebende war, geborgen werden soll. An Bord soll sich wertvolles Porzellan aus der Ming Dynastie im Wert von mehreren Millionen Euro befinden. Doch auf einmal häufen sich zunächst seltsame und später immer bedrohlichere Ereignisse...

Marie mochte ich gleich von Anfang an. Sie ist bodenständig und ein unglaublich guter Mensch. Durch ihren Wunsch, Seehunde zu retten, wurde sie mir nur noch sympathischer. Vor allem fand ich auch den Umgang mit ihrer Mutter, die ich vom ersten Moment an nicht mochte, total klasse. Auch wenn sie das Verhalten ihrer Mutter verletzt, bleibt sie dennoch stark und lässt sich davon nicht unterkriegen. Von Marie hatte ich ziemlich schnell ein Bild vor Augen. Anders ging es mir leider mit Charakteren wie Vince und Magnus. Ich sah sie nicht vor Augen und konnte sie nicht einordnen. Dies störte mich aber nur minimal. Die Beziehungen zwischen der einzelnen Charaktere empfand ich dafür als nur wenig authentisch. Die "Liebesgeschichte" des Buches, empfand ich als komplett überflüssig, da sie mich überhaupt nicht überzeugen konnte. Ebenso wenig konnte ich den Umgang der verschiedenen Charaktere miteinander nachvollziehen.

Die Geschichte beginnt relativ ruhig, was sie jedoch nicht langweilig machte. Der Leser hat ein wenig Zeit Marie kennen zu lernen, bevor dann auch schon Spannung aufkommt. Und spannend war dieses Hörbuch auch auf jeden Fall, auch, wenn ich leider einiges vorhersehen konnte. Die Geschichte habe ich durchgehend gerne gehört, auch wenn das Ende für mich nicht besonders überraschend war. Ich hatte definitiv einige spannende Momente mit meinem ersten Roman der Autorin Elisabeth Herrmann.

Fazit: Eine spannende Geschichte mit einer sympathischer Heldin, die teilweise leider etwas vorhersehbar war.

Montag, 11. Januar 2016

Rezension: Melanie Raabe - Die Falle

Preis: 19,99€
Format: 1 MP3-CD
Laufzeit: 10h 24Min

Gelesen von: Birgit Minichmayr, Devid Striesow
Verlag: der Hörverlag

ISBN:
978-3-8445-1813-9

Erscheinungsdatum: 09. März 2015
Genre:Thriller

Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 4/5 Sterne


Klappentext Was muss passieren, dass du dich elf Jahre in deinem Haus vor der Welt abschottest? Linda Conrads ist ihren Fans und der Presse ein Rätsel. Sie veröffentlicht Jahr für Jahr Bücher, die zu Bestsellern werden, lebt aber völlig zurückgezogen. Seit gut elf Jahren hat sie keinen Fuß mehr über die Schwelle ihres Hauses gesetzt. Die Medien spekulieren über eine mysteriöse Krankheit, doch den wahren Grund kennt niemand außer Linda selbst: Sie wird von einer schrecklichen Erinnerung gequält, denn vor vielen Jahren hat sie ihre jüngere Schwester Anna ermordet aufgefunden – und den Mörder flüchten sehen. Der Täter wurde nie gefasst, und das Gesicht des Mörders verfolgt Linda seither bis in ihre Träume. Doch eines Tages flimmert genau dieses Gesicht über ihren Fernseher. Es gehört Victor Lenzen, dem neuen Reporter einer Nachrichtensendung …

Birgit Minichmayr war mir von noch keinem anderen Hörbuch bekannt. Umso überraschter und begeisterter war ich, als ich die ersten Kapitel des Hörbuches hörte. Nicht nur, dass Frau Minichmayr eine wirklich tolle und angenehme Stimme hat: Sie setzt diese auch perfekt ein! Besser geht es wirklich nicht. Manche Stellen hörte ich sogar mehrfach, weil ich ihr Spiel mit der Stimme so genoss. Auch Devid Striesow liest "seine" wenigen Kapitel richtig toll. Das Hörbuch ist schon allein wegen der Sprecher sehr empfehlenswert.

Linda Conrads ist Bestsellerautorin und lebt komplett zurück gezogen. Sie hat das Haus elf Jahre nicht mehr verlassen. Grund dafür ist die Ermordung ihrer Schwester Anna. Linda hat den Täter nach seiner Tat wegrennen sehen und sein Gesicht erkannt. Doch die Ermittlungen brachten keinerlei Ergebnisse. Elf Jahre später sieht sie den Täter durch Zufall im TV. Er ist Reporter und Linda fasst einen Plan: Sie schreibt einen Kriminalroman der genaustens die Geschehnisse vor elf Jahren widerspiegelt. Der Grund: Sie will den Reporter Victor Lenzen, den sie als Täter erkannte, in ihr Haus locken.

Der Einstieg in das Buch fiel mir nicht nur durch die tollen Hörbuchsprecher sehr leicht. Gleich zu Beginn erfährt der Leser (bzw. Hörer) einiges über Linda und lernt sie besser kennen. Ihre Angst, das Haus zu verlassen (auch Agoraphobie genannt), wird für den Leser nachvollziehbar und Lindas Gedanken machen sie sogleich sympathisch. Ich konnte mich gut mit ihr identifizieren und überlegte unentwegt, was ich an ihrer Stelle tun würde.

Die aktuellen Geschehnisse werden von Linda aus der Ich-Perspektive geschildert. Zudem gibt es immer wieder Rückblicke, die in Form von Lindas Roman "Blutsschwestern", der die damaligen Geschehnisse schildert, dargestellt werden.

"Die Falle" ist ein sehr ruhiges Buch. Dieses kommt ohne großartiges Gemetzel und großes Brimborium aus, ohne dabei an Spannung zu verlieren. Denn die Spannung, die bei mir während des Lesens durchgehend vorhanden war, war eher unterschwellig. Immer wieder lockte Melanie Raabe den Leser auf eine falsche Fährte, sodass ich irgendwann nicht mehr wusste, wem ich nun was glauben sollte.

Das Ende war für mich sehr überraschend und glaubhaft. Es wurden alle Fragen beantwortet und sehr zufriedenstellend abgeschlossen.

Fazit: Ein Hörbuch, das durch die exzellenten Hörbuchsprecher und seine spannende Handlung überzeugt und begeistert.

Samstag, 9. Januar 2016

Rezension: Jennifer Niven - All die verdammt perfekten Tage

OT: All The Bright Places
Preis Ebook: 11,99€ 
Preis Softcover: 14,99€ 
Seitenanzahl: 400 Seiten 
Verlag: Limes 
ISBN: 978-3-8090-2657-0

Erscheinungsdatum: 28. Dezember 2015 
Genre: Jugendbuch 
Reihe: Einzelband
 Meine Wertung: 5/5 Sterne

Klappentext Ein Mädchen lernt zu leben - von einem Jungen, der sterben will

Ist heute ein guter Tag zum Sterben?, fragt sich Finch, sechs Stockwerke über dem Abgrund auf einem Glockenturm, als er plötzlich bemerkt, dass er nicht allein ist. Neben ihm steht Violet, die offenbar über dasselbe nachdenkt wie er. Von da an beginnt für die beiden eine Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und großartige sowie kleine Augenblicke – das Leben eben. So passiert es auch, dass Finch bei Violet er selbst sein kann – ein verwegener, witziger und lebenslustiger Typ, nicht der Freak, für den alle ihn halten. Und es ist Finch, der Violet dazu bringt, jeden einzelnen Moment zu genießen. Aber während Violet anfängt, das Leben wieder für sich zu entdecken, beginnt Finchs Welt allmählich zu schwinden…


Mittlerweile ist es ca. eine Woche her, dass ich dieses Buch beendet habe. Normalerweise schreibe ich Rezensionen direkt nach der Beendung eines Buches, damit der Inhalt und meine Gefühle, die ich beim Lesen hatte, noch frisch sind. "All die verdammt perfekten Tage" musste ich jedoch erst einmal sacken lassen. Und selbst jetzt fällt es mir schwer Worte für dieses unbeschreibliche Buch Worte zu finden.

Auch wenn mir Cover und Titel sehr gut gefallen, passen sie für mich nicht so gut zum Inhalt des Buches, wie es hätte sein können. Das englische Cover zeigt Notizen und Bilder auf Post-it's die in der Geschichte eine wichtige Rolle spielen.

Der Klappentext hingegen ist in meinen Augen gut gewählt und gibt einen passenden Eindruck zu dieser bittersüßen Geschichte.

Der Leser wird gleich zu Beginn des Buches mitten ins Geschehen geworfen. Theodore Finch steht auf dem Glockenturm auf dem Schulgelände und fragt sich zum wiederholten Mal, ob heute ein guter Tag zum Sterben sei. Doch dann sieht er Violet. Violet, die erst kürzlich einen geliebten Menschen verlor und nicht weiß, wie sie ohne diesen Menschen weiter leben soll. Mehr möchte ich über die Handlung gar nicht verraten. So viel sei gesagt: Das Buch besteht ausschließlich aus schönen, traurigen, witzigen, beeindruckenden, überraschenden und bewegenden Momenten. Es gab keine einzige Zeile, bei der ich nichts fühlte. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen.

Der Schreibstil von Jennifer Niven hat, wie ich finde einen hohen Wiedererkennungswert, den ich jedoch nicht benennen kann. Die Dialoge, die Gedanken der Charaktere...all das ist so wortgewaltig, bilhaft und authetisch beschrieben, dass diese Geschichte wohl kaum einen Leser kalt lassen wird. Ich sah den Glockenturm, Finchs Zimmer, die Charaktere und die Orte die Finch und Violet besuchten vor Augen und war mit meinen Gefühlen und meinen Gedanken mitten im Buch.


Die Charaktere Violet und Finch eroberten mein Herz im Sturm und bekommen dort einen Ehrenplatz neben meinen liebsten Buchcharakteren, die ich je kennenlernen durfte. Das Buch wird abwechselnd aus Finchs und Violets Perspektive beschrieben, sodass der Leser genaue Einblicke in deren Gefühle und Gedanken bekommt. In beide Charaktere konnte ich mich so gut hinein versetzen, dass es mir beinahe Angst machte. Ich spürte Violets Trauer, zugleich aber auch Hoffnung und Angst vor der Zukunft. Ich spürte ihre Liebe zu ihren Eltern und auch die Liebe zu Finch, die sich zunächst langsamer, dann aber immer tiefer und schneller entwickelt. Doch noch besser konnte ich mich in Finch hinein versetzen. Ich spürte seine Liebe zu Violet und die Angst, vor diesem alles verschlingenden Loch, dass sich Depression nennt. Ich spürte seine Hoffnung und zugleich seine Hoffnungslosigkeit. Ich fühlte seinen Willen, den Kampf gegen diese Krankheit, die ein Großteil der Menschen leider immer noch nicht als Krankheit ansieht, zu gewinnen.

Ein paar Sätze möchte ich auch noch zu der Thematik loswerden. Finch hat eine bipolare Störung, auch manische Depression genannt. Ich finde es unglaublich, dass das Wissen und die Toleranz Erkrankten gegenüber noch so unterentwickelt ist. Dieses Buch finde ich daher unglaublich wichtig, da es dem Leser sehr authentisch zeigt, was es bedeutet unter dieser tückischen Krankheit zu leiden. Dass daran weder das Umfeld, noch der Betroffene "Schuld" sind und dass man als nicht Betroffener leicht von einer "Wahl" reden kann, dies aber eben nicht immer zutrifft. Als Leser von "All die verdammt perfekten Tage" erhält man Eindruck in die Welt eines Menschen mit einer bipolaren Störung sowie den Eindruck einer Person, die hilflos versucht alles dafür zu tun, dass es dem Erkrankten besser geht. Wenn ihr dieses Buch lesen solltet: Lest auch das Nachwort der Autorin. Darin erklärt sie, was sie zu diesem Buch bewogen hat.

Fazit: Ein Buch, dass mich so berührt hat, wie es selten ein Buch geschafft hat. Die Bücher, bei welchen Tränen geflossen sind, kann ich an einer Hand abzählen. Bei "All die verdammt perfekten Tage" sind nicht nur Tränen geflossen...ich habe Rotz und Wasser geheult. Und all dies hatte nichts mit dem Ende zu tun, sondern damit, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben nachfühlen konnte was es bedeutet unter eine bipolaren Störung zu leiden oder einen Menschen zu lieben, der an ebendieser erkrankt ist. Ein unglaublich wichtiges Buch, dass zu keiner Zeit "überdramatisiert" und gerade deshalb so authentisch und bewegend ist.



Montag, 4. Januar 2016

Rezension: Wulf Dorn - Die Nacht gehört den Wölfen

Preis Ebook: 11,99€
Preis Softcover: 14,99€  
Seitenanzahl: 464 Seiten
Verlag: cbt
ISBN: 978-3-570-16397-9

Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2015
Genre: Jugendthriller 
Reihe: Einzelband 
Meine Wertung: 5/5 Sterne

Klappentext Seit dem tödlichen Autounfall seiner Eltern, den er selbst miterlebt hat, leidet Simon unter Albträumen und Angstzuständen. Nach einem Psychiatrieaufenthalt zieht er zu seiner Tante und seinem Bruder, aber es fällt ihm schwer, sich in seinem neuen Leben zurechtzufinden. Vor allem, als er feststellen muss, dass seine schlimmen Träume Wirklichkeit werden: Etwas Böses scheint im Dunkel, das Simon umgibt, erwacht zu sein. Und das Verschwinden eines Mädchens ist erst der Anfang.

"Die Nacht gehört den Wölfen" war mein zweites Buch von Wulf Dorn. Bereits im Jahr 2012 konnte mich der Autor mit seinem Thriller "Trigger" vollends begeistern. Dementsprechend hoch waren auch die Erwartungen an diesen Jugendthriller. Das Cover finde ich genial. Es hat einen direkten Bezug zur Handlung und harmonisiert perfekt mit dem Titel. Auch der Klappentext ist sehr passend und gibt die Grundstimmung des Buches sehr gut wieder, ohne zu viel zu verraten.

Der Leser findet sich gleich zu Beginn des Buches mitten im Geschehen wieder und erlebt den Autounfall, bei welchem Simons Eltern sterben, hautnah. Dieser mitreißende Anfang ist lediglich der Beginn einer spannenden und oftmals unheimlichen Geschichte, die mich nicht eine Sekunde losließ. Simon war mir sofort sympathisch. Er hat eine leichte Form von Autismus, was ich sehr interessant fand. Auch die anderen Charaktere sind Wulf Dorn gut gelungen, insbesondere Caro und Mike. 

Nach dem Unfall lebt Simon bei seiner Tante und seinem Bruder Mike. Die völlig neue Umgebung stellt für ihn eine große Herausforderung dar. Dazu kommt, dass ihn schlimme Träume plagen. Teil dieser Träume ist immer wieder eine Tür, der man gemeinsam mit Simon während des Buches immer näher kommt. Erst als sich diese Tür in Simons Träumen öffnet, erfahren wir die große Auflösung. Die Träume sind Wulf Dorn perfekt gelungen. Ich bekam des Öfteren eine Gänsehaut und fürchtete mich davor weiter zu lesen. Der Schreibstil von Wulf Dorn gefällt mir sehr, sehr gut. Er spielt gekonnt mir Worten und Andeutungen und erzeugt dadurch verschiedenste Gefühle. Das Buch liest sich sehr schnell und angenehm.

Die Spannung des Thrillers nimmt zu keiner Zeit ab. Um Simon herum passiert unglaublich viel, worauf ich nun nicht genauer eingehen werde, um nicht zu viel vorweg zu nehmen. Als Leser spekulierte ich während des Lesens wild darauf los. Wer steckt hinter dem Verschwinden des Mädchens? Wer oder was verursachte den Unfall? Weshalb hat Simon diese Träume und was verbirgt sich hinter der Tür?

Zum Schluss läuft Wulf Dorn zu Höchstformen auf. Als ich zu Begreifen begann, blieb mir buchstäblich der Mund offen stehen. Als ich das Buch beendete wäre ich am liebsten auf einen Stuhl gestanden und hätte Wulf Dorn applaudiert ;) Ich habe nicht eine Sekunde damit gerechnet, dass das Buch auf diese Art und Weise endet. Es war eine riesen Überraschung und vor allem authentisch und nicht an den Haaren herbei gezogen.

Fazit: Ein Buch, das in null Komma nichts gelesen ist und nicht zuletzt dadurch begeistert, dass der Leser durchgehend mitfiebert und spekuliert. Das Ende ist, so wie es sein sollte, das große Finale, dass mich nicht nur überzeugen, sondern auch überraschen konnte.


Samstag, 2. Januar 2016

Rezension: Val McDermid - Der lange Atem der Vergangenheit

OT: The Skeleton Road
Preis Ebook: 17,99 €
Preis Hardcover: 19,99€ 
Seitenanzahl: 448 Seiten 
Verlag: Droemer Knaur 

ISBN: 978-3-426-28134-5 Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2015 Genre: Kriminalroman 
Reihe: Band 3 von 3 Meine Wertung: 5/5 Sterne


Klappentext Verborgen in der Turmspitze eines baufälligen viktorianischen Gemäuers in Edinburgh wird eine skelettierte Leiche mit einem Einschussloch im Schädel gefunden. Detective Chief Inspector Karen Pirie und ihre Cold Cases Unit sollen den rätselhaften Fall aufklären. Um wessen sterbliche Überreste handelt es sich? Karen hat kaum Anhaltspunkte, aber einen zielsicheren Instinkt. Ihre Nachforschungen führen sie zurück in die neunziger Jahre, in die Erbarmungslosigkeit der Balkankriege. In einem Labyrinth aus persönlichen und politischen Konflikten, aus falschen Identitäten und sorgsam gehüteten Geheimnissen droht sich die Spur zu verlieren. Doch manchmal will die Vergangenheit einfach nicht ruhen.

Cover, Titel und Klappentext harmonieren perfekt miteinander. Insbesondere der Titel ist sehr passend gewählt. Der Klappentext macht neugierieg, verrät aber nicht zu viel.

Schon auf den ersten Seiten konnte Val McDermid mich mit ihrem grandiosen, bildhaften und wortgewaltigen Schreibstil packen. Die Charaktere bekamen gleich ein Gesicht und riefen augenblicklich verschiedene Gefüle in mir hervor. Sie wirkten auf mich sofort authentisch und lebendig. Auch die Gebäude und Orte konnte ich wie auf einer Fotografie vor mir sehen. Diesen Schreibstil empfinde ich als sehr besonders und dennoch angenehm zu lesen.

Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt. Karen Pirie ist Polizistin für ungelöste Fälle. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Jason Murray, auch der Minzdrops genannt, versucht sie die Identität einer skelletierten Leiche heraus zu finden. Als Leser dürfen wir Karen bei der sehr spannenden Ermittlung begleiten. Zudem ist Karen eine der tollsten Ermittlerinnen, die ich je "kennenlernen" durfte. Sie ist authentisch, klug, sehr lustig und dennoch nicht perfekt. Die Perspektive von Karen Pirie nimmt den größten Teil der Geschichte ein.

Alan Macanespie und Theo Proctor sind Angestellte des Internationalen Gerichtshof Den Haag. Ihre Aufgabe: Jugoslawische Kriegsverbrecher zu finden und zu überführen. Besonders motiviert sind die beiden nicht, doch während ihr Chef Druck macht, findet auch Macanespie die Sache allmählich interessant.

Maggie Blake ist Professorin in Oxford. Sie lebte während der neunziger Jahre in Dubrovnik (Kroatien) und erlebte die Kriege somit hautnah. Dort lernte sie ihre große Liebe Mitja Petrovic kennen, einen kroatischer General. Als Mitja plötzlich verschwindet, bricht für Maggie eine Welt zusammen. Hatte Mitja vielleicht Familie, zu der er nun zurückgekehrt ist? Immer wieder erhalten wir Einblick in Maggies Vergangenheit, die sie selbst niederschreibt.

Vor allem die Rückblenden aus Maggies Sicht empfand ich als sehr eindringlich und bewegend. Der Leser erfährt mehr über den Balkankonflikt und liest vor allem von Hass, Gewalt und ethnischen Konflikten. Val McDermid behandelt dieses Thema mit besonderer Sorgfalt. Bei der Schilderung der damaligen Verbrechen wirkt die Erzählung zu keinem Moment reißerisch. Die Autorin bleibt sachlich und berührte mich gerade deshalb.

Ich empfand jede einzelne der 448 Seiten als wahren Genuss und konnte das Buch kaum aus den Händen legen. Das Ende überraschte und schockierte mich zugleich. Es war zu 100% zufriedenstellend und zeigte mir einmal mehr, dass ich wieder mehr Kriminalromane von Val McDermid lesen sollte. Auch wenn "Der lange Atem der Vergangenheit" der dritte Band einer Reihe ist (und es danach auch offensichtlich noch weitergehen soll), kann man diesen Band auch gut lesen, ohne die vorherigen zu kennen.

Fazit: Der lange Atem der Vergangenheit beeindruckte mich auf viele Arten und Weisen. Zum einen durch den bildhaften, eindringlichen und angenehmen Schreibstil zum anderen durch die unglaublich spannende Handlung. Diese Spannung wurde durch gute Recherche, tolle Ermittlerarbeit seitens der Protagonistin und den geschichtlichen Ereignissen erzeugt. Unterstützt von überzeugenden Charakteren, die ich alle liebgewonnen habe, ist dieses Buch für mich ein einzigartiges Leseerlebnis.