Sonntag, 20. März 2016

Rezension: Carsten Sebastian Henn - Das Apfelblütenfest

Preis Ebook: 12,99 €
Preis Hardcover: 16,99 € 
Seitenanzahl: 352 Seiten 
Verlag: Pendo
ISBN: 978-3866123861

Erscheinungsdatum: 01. März 2016 
Genre: Roman  
Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 2,5/5 Sterne

Klappentext Jules war neun Jahre alt, als er eine Stellenanzeige in den größten und schönsten Baum im Apfelhain der Familie ritzte. Er suchte damals eine Haushälterin für seinen Vater, dem nach dem Tod seiner Frau alles über den Kopf wuchs. Seitdem sind zwanzig Jahre vergangen, Jules' Vater ist längst tot, und er selbst hat widerwillig das Hofgut übernommen, auf dem Calvados und Cidre produziert werden. Und plötzlich bewirbt Lilou sich um die Stelle bewirbt, eine fröhliche, eigensinnige junge Frau, die in dem kleinen Ort an der normannischen Küste als Heilpraktikerin arbeitet. Nach und nach öffnet sie Jules das Herz, für die Schönheit der Natur und auch für die Liebe. Doch allzu schnell müssen die beiden erkennen, wie zerbrechlich Liebe sein kann, wenn das Schicksal eingreift ...

Puh, wo soll ich nur anfangen. Der Klappentext verrät nur wenig über die Stimmung und die Geschichte, die "Das Apfelblütenfest" beinhaltet. Somit habe ich ohne große Erwartungen mit dem Lesen begonnen, bereit dazu, mich überraschen zu lassen. Und das hat "Das Apfelblütenfest" auch geschafft. Schon der Prolog konnte mich gefangen nehmen und nach wenigen Seiten war ich das erste Mal den Tränen nahe. Wir begleiten den 9-Jährigen Jules, wie er in einen alten Apfelbaum eine Stellenanzeige ritzt. Er sucht eine Haushälterin, die nach dem Selbstmord seiner Mutter, dem Vater unter die Arme greifen und wieder ein wenig Freude in das Haus bringen soll. Diese Stelle fand ich unglaublich berührend und schnell war ich völlig begeistert von dem Buch.

Auch das französische Flair bringt Carsten Sebastian Henn perfekt rüber. Ich bin ein großer Fan von französischen Filmen und Büchern und somit war die perfekte Beschreibung der Normandie und der Menschen die dort leben nur ein weiterer Pluspunkt. Auch der Schreibstil war angenehm zu lesen. Er ist sehr bildhaft und intensiv.

Auf Jules Stellenanzeige meldete sich nie jemand, bis viele Jahre später die sympathische und liebenswerte Lilou an dem Baum vorbei kommt. In ihrem Leben geht gerade alles drunter und drüber. Sie versteht die Stellenanzeige als einen Wink des Schicksals und  geht zu Jules Hofgut, um sich zu bewerben (nichtsahnend, dass Jules mittlerweile zu einem attraktiven, wenn auch etwas mürrischen Mann heran gewachsen ist). Tatsächlich stellt ihr sie ein. Lilou bringt frischen Wind auf das Hofgut und auch in Jules Leben. Doch der erfährt nach kurzer Zeit, dass er schwer krank ist. 

Auf den ersten ca. 200 Seiten habe ich diese Geschichte geliebt. Ich mochte die witzigen Dialoge zwischen Lilou und Jules, liebte die Charaktere, den Handlungsort und die Atmosphäre. Ich war wirklich hin und weg und nutzte jede Gelegenheit zum Lesen. Doch dann kam die Geschichte an einen Punkt, an dem ich nur noch den Kopf schütteln konnte und mich fragte, was das nun in dieser Geschichte zu suchen hat. Auch rückblickend ergibt dieses Ereignis einfach keinerlei Sinn und hätte gut weg gelassen werden können. Normalerweise vermeide ich Spoiler, doch bei diesem Buch muss es einfach sein. 

***SPOILER ANFANG!***

Lilou wird von dem Bürgermeister (beinahe?) vergewaltigt. Im Kampf fällt er und stirbt. Sie sagt niemandem etwas und gerät dadurch unter Mordverdacht. Lediglich ihre beste Freundin und Jules wissen Bescheid, doch die unternehmen: Nichts. Als hätte der Bürgermeister lediglich einen Lolli geklaut. Doch was mich am meisten störte: Auch Lilou verhält sich nicht anders. Es scheint ihr nichts auszumachen. Abgesehen von diesem seltsamen Verhalten, trägt dieses Ereignis auch überhaupt nicht zur Entwicklung der Geschichte bei. Es war einfach unnötig.

***SPOILER ENDE!***

Doch damit nicht genug! Auch die so liebenswerte Lilou begeht einen Fehler, den ich einfach nur bescheuert finde und mich frage, was bei ihr eigentlich falsch gelaufen ist. Dies hat mich besonders getroffen, weil ich die Charaktere in dieser Geschichte so gerne mochte. Auch hier wieder ein Spoiler:

***SPOILER ANFANG!***

Jules ist bereits schwer krank und weiß, dass er nur noch wenige Monate zu Leben hat. Wenige Tage ist er nun mit Lilou zusammen, als diese auf die glorreiche Idee kommt, dass sie ein Kind von ihm möchte. Die beiden geraten in einen großen Streit, weil Jules kein Kind in die Welt setzen möchte, in dem Wissen, dass er nicht für das Kind da sein kann. Nach einigen Tagen vertragen sich die beiden und nach wenigen Wochen eröffnet Lilou Jules, dass sie schwanger sei. Ohne Worte...

***SPOILER ENDE*** 

So, das war's nun mit den Spoilern. Zum Ende sei noch gesagt, dass ich es kaum erwarten konnte, das Buch endlich zur Seite zu legen. Es wurde immer seltsamer und absurder. Nach dem wirklich unfassbar tollen Anfang konnte ich es kaum fassen, in welche Richtung sich dieses Buch entwickelt hat.

Fazit: Wie viele Sterne vergibt man in solch einem Fall? Ich habe mich für 2,5 Sterne entschieden, da mir der Anfang wirklich gut gefallen, mich das Ende aber extrem enttäuscht hat. Leider bleibt beim Zuschlagen eines Buches ja meist das Ende in Erinnerung. So leid es mir auch tut: Ich kann dieses Buch niemandem empfehlen. 

Donnerstag, 17. März 2016

Rezension: Moira Young - Dustlands 01 Die Entführung

OT: Blood Red Road (Dustlands #1)
Preis: 19,99 €
Format: 6 Audio CDs
Laufzeit:
7h 10 Minuten

Gelesen von: Laura Maire 
Verlag: Der Hörverlag

ISBN:
978-3867178297
Erscheinungsdatum: 12. Dezember 2011
Genre: Dystopie
 
Reihe: Band 1/3
Meine Wertung: 4/5 Sterne

Klappentext In einer Welt nach unserer Zeit kämpft eine junge Frau um die Befreiung ihres Zwillingsbruders – und für die Freiheit eines ganzen Landes. Die 18-jährige Saba lebt sehr abgeschieden mit ihrem Vater, ihrem Zwillingsbruder Lugh und ihrer kleinen Schwester Emmi am Silverlake – bis eines Tages vier bewaffnete Reiter ihren Bruder entführen. Saba schwört, Lugh zu finden und zu befreien. Auf ihrem abenteuerlichen Weg lernt sie die Welt jenseits des Silverlake kennen: ein Land, in dem es keine Zivilisation mehr gibt, keine Bücher mehr, keine normalen Verkehrsmittel. Es wird von einem durchgedrehten König beherrscht, der die Bevölkerung mit einer Droge und mit seinen Soldaten, den Tonton, in Schach hält. In Hopetown muss Saba in der Arena kämpfen, aber sie trifft dort auch auf einen Mann, der sie liebt, und findet Freunde, die ihr bei ihrer Suche helfen.

Die Hörbuchsprecherin Laura Maire kannte ich bereits aus dem Hörbuch "Seefeuer" von Elisabeth Herrmann. Schon dort mochte ich sie sehr gerne, doch ihre Stimme passt zu Dustlands, wie ich finde, noch besser. "Dustlands - Die Entführung" ist eine der Reihen auf die ich schon länger unglaublich gespannt war. Gerade der arg umstrittene Schreibstil lies meine Neugier steigen. Um eins vorweg zu nehmen: Dies ist eine Hörbuchrezension. Ich habe jedoch einige Seiten selbst gelesen um auf den Schreibstil besser eingehen zu können.

Der Schreibstil von Moira Young ist sehr besonders. "Dustlands" zeichnet sich durch eine sehr einfache, teilweise sogar eintörnige Wortwahl und knappe Sätze aus. Die vielen Dialoge werden nicht durch Anführungszeichen gekennzeichnet.

"Tut mir leid, Saba, flüstert Emmi. Ich versuch zu lächeln, so zu tun, als ob es mir nichts ausmacht, aber ich krieg es nicht hin. Ich dreh den Kopf weg. Ist nicht deine Schuld, sag ich. Ich lass mir was einfallen." (S. 57)

Der Schreibstil ist anders und sehr ungewohnt. Die Sätze sind trist, wirken teilweise unbeholfen und doch passt dieser Stil hervorragend zur Geschichte. Ich bin mir sicher, dass Moira Young auch deutlich ausschweifender schreiben kann. Doch sie nahm sich selbst zurück um die Geschichte um Saba, Lugh und Emmi authentischer zu machen. Ich hatte mich schnell an diesen Stil gewöhnt, auch wenn ich vermute, dass das auch auf das Hörbuch, das wirklich perfekt gelesen wurde, zurück zu führen ist. Laura Maire schwächt die "Härte" der Sätze ein wenig ab, doch auch die selbst gelesenen Seiten haben mir vom Stil sehr gut gefallen.

Doch auch die Charaktere waren sehr authentisch und toll ausgearbeitet. Gerade Saba mochte ich unglaublich gerne. Sie hat das Herz am rechten Fleck, ist aber im Umgang mit anderen Menschen, allen voran ihrer kleinen Schwester, sehr unbeholfen. Im Laufe des Buches macht Saba eine große Entwicklung durch. Anfangs sehr ruhig und unbeholfen wächst sie mit den Geschehnissen und gewinnt immer mehr Mut und Stärke. Auch die Entwicklung was Sabas Verhältnis zu Emmi angeht, hat mir sehr, sehr gut gefallen. Doch Saba ist nicht der einzig tolle Charakter in diesem Buch: Auch Emmi, Lugh, Jack und einige mehr, waren authentisch und interessant.

Zu der Handlung selbst möchte ich gar nicht all zu viel sagen. Das wichtigste steht im Klappentext, den Rest gilt es selbst heraus zu finden. So viel sei aber gesagt: Die Geschichte nimmt relativ schnell an Fahrt auf und die Spannung zieht sich durch das komplette Buch. Die letzten Seiten sind an Spannung kaum zu überbieten und ich freue mich schon riesig auf den zweiten Band.

Fazit: Der gelungene Auftakt einer tollen Dystopie, der vor allem durch Schreibstil und Charaktere zu etwas Besonderem wird.