Samstag, 7. Mai 2016

Rezension: Antonia Michaelis - Die Allee der verbotenen Fragen

Preis Ebook: 14,99 €
Preis Hardcover: 19,99 €
Seitenanzahl: 384 Seiten
Verlag: Droemer Knaur

ISBN: 978-3-426-65386-9
Erscheinungsdatum: 01. April 2016
Genre: Roman
Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 4/5 Sterne
 
Klappentext Ihr Spiegelbild in einer Schaufensterscheibe öffnet Akelei die Augen: Sie ist nicht mehr das junge Mädchen, dem die ganze Welt offen steht, sondern eine pummelige, mittelalte Frau im pastellgrünen Mantel. Als Finn, ihre Sandkastenliebe, als Spiegelung in der Scheibe hinter ihr auftaucht, kann sie es nicht glauben. Denn auf mysteriöse Weise verschwand er vor 18 Jahren aus Akeleis Leben. Sie erkennt ihre letzte Chance – auf Abenteuer, auf Glück, auf Liebe – und folgt Finn, ohne nachzudenken. Ohne zu wissen, wohin. So geht sie auch einen Weg zurück: in ihre Kindheit, in die Erinnerung und in die Allee der verbotenen Fragen.

Ich liebe Antonias Bücher! Dementsprechend gespannt war ich auf ihr neustes Werk "Die Allee der verbotenen Fragen". Der Titel könnte nicht passender sein und auch das Cover passt perfekt zu dem Inhalt des Buches. Der Klappentext verrät nicht mehr, als es die ersten Seiten des Buches. Er gibt einen guten Eindruck von dem, auf das sich der Leser in diesem Buch freuen darf. Ein gelungenes Rundum-Paket also ;)

Schon auf den ersten Seiten konnte die Autorin mich mit ihrer wunderschönen Sprache, ihrer leicht schrägen und zugleich witzigen, traurigen, schönen und nachdenklich stimmenden Geschichte packen. Akelei als Protagonistin mochte ich auf Anhieb. Alles an ihr ist durchschnittlich, mal abgesehen von ihrem Namen. Sie führt ein gutes Leben mit einem Mann, der gut zu ihr ist, den sie aber nicht liebt. Ein Leben, in dem sie alles hat und das doch nicht ihren tiefsten Wünschen und ihrem Wesen entspricht. Als sie auf einmal Finn in der Stadt bemerkt, der Nachbarsjunge der vor 18 Jahren verschwand und seitdem scheinbar keinen Tag gealtert ist, folgt sie diesem quer durch Deutschland...ein Huhn mit einem ganz bemerkenswerten Charakter immer in der Handtasche.

An Antonia Michaelis Büchern schätze ich besonders, dass sie ihren ganz eigenen Stil haben. Sie sind weit vom Mainstream entfernt und dennoch erreicht die Autorin eine Vielzahl von Lesern, die sich einfach nach "etwas anderem" sehnen. Kaum eine Autorin schafft es, mich so zu berühren, wie Antonia Michaelis es tut. Und das ist ihr auch hier wieder gelungen. Während Akelei Finn durch Deutschland nachreisst, beginnt der Leser über sein eigenes Leben nachzudenken. Bin ich heute da, wo ich ich mich vor fünf, vor zehn oder sogar mehr Jahren gesehen habe? Bin ich "angekommen"? Außerdem bleibt dem Leser gar nichts anderes übrig als durchgehend mitzufiebern, wie Akeleis und Johanns Geschichten miteinander zusammenhängen.

Das Buch ist aus Akeleis, aber auch aus Johanns Sicht geschrieben. Dies gefiel mir besonders gut, denn auch Johann ist ein sehr sympathischer Charakter, dessen Gedanken und Gefühle ich sehr gerne gelesen habe. Das Highlight war jedoch das Huhn, bzw. Akeleis Gespräche mit dem Huhn. Eben sollte es noch mit Rotweinsauce auf den Tisch, im nächsten Moment findet es sich gemeinsam mit Akelei in verschiedenen Städten und den dazugehörenden Hostels und Bahnen wieder.

Die meiste Zeit über tappt der Leser im Dunkeln. So ging es zumindest mir. War Johann wirklich Finn? Und wie konnte es sein, dass er nicht gealtert ist? Was sind die "verbotenen Fragen"? Gerade im Mittelteil hatte ich wirklich keine Ahnung, wohin mich das Buch führen würde. Ein Junge der nicht alterte? Das Ende klärt jedoch alle Fragen (bis auf eine vielleicht?). Mir hat das Ende sehr, sehr gut gefallen auch wenn ich weiß, dass es nicht Jedermanns Sache sein wird.

Fazit: Eine berührende, witzige und vor allem originelle, leicht schräge Geschichte :)