Sonntag, 11. September 2016

Rezension: Russell Wangersky - Walt

Preis Ebook: 9,99 €
Preis Softcover: 14,99 € 
Seitenanzahl: 304 Seiten 
Verlag: Knaur TB
ISBN: 978-3426517420

Erscheinungsdatum: 01. August 2016
Genre: Psychothriller 
Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 2,5 Sterne

Klappentext Hi, ich bin Walt. Ich sammle weggeworfene Einkaufslisten. Das klingt vielleicht ein bisschen schräg, aber Sie ahnen ja nicht, was man auf diese Weise alles über jemanden erfährt! Das ist fast, als wäre ich selbst Teil der Familie. Ich gebe zu, ich bin einsam, seit meine Frau Mary mich vor ein paar Jahren verlassen hat. Kaum jemand gönnt mir einen zweiten Blick – als wäre ich unsichtbar. Besonders gern sammle ich die Zettel von Alisha. Sie ist noch so jung, jemand sollte auf sie Acht geben, finde ich. Ich mache das gern, auch wenn sie nicht mal ahnt, dass ich existiere …

Der Klappentext erinnerte mich sehr an den Film "One Hour Photo" mit Robin Williams. Tatsächlich gibt es einige Parallelen. Beide "Täter" arbeiten in einem Supermarkt, beide sind Außenseiter, beide sammeln etwas, das eigentlich privat ist. Mich störten diese Parallelen jedoch überhaupt nicht, da die Umsetzung eine völlig andere ist.

Unser Protagonist Walt sammelt Einkaufslisten und versucht aus ihnen herauszulesen, was der Mensch hinter dem Einkaufszettel für ein Leben führt. Ist er gestresst und kauft deshalb nur das nötigste? Ist er frustriert und kauft deshalb Fast-Food und Schokolade? Ist der Zettel, der Zettel einer Mutter die ihrer Familie ein reichhaltiges Abendessen zubereiten will? Die Kapitel beginnen meist mit einem Einkaufszettel und einer Interpretation von Walt. Nach und nach erfährt man immer mehr über ihn und seine Vergangenheit, oft bleiben jedoch Lücken. Von manchen Personen ist er so fasziniert, dass er sie auch zuhause beobachtet. Immer wieder folgen Tagebucheinträge eines seiner Stalking-Opfer.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist der authentische und besondere Schreibstil. Das Buch ist aus Walts Sicht geschrieben, schwenkt hin und wieder zu zwei Ermittlern. Der Schreibstil ist angenehm und leicht zu lesen, hat aber dennoch einen hohen Wiedererkennungswert. Auch die Ausarbeitung des Charakters "Walt" hat mir sehr gut gefallen. Auch er ist sehr authentisch, wenn auch unsympathisch, in dem was er tut.

Was mir leider weniger gefallen hat, war die Geschichte selbst, bzw. der Spannungsaufbau. Ich lese gerne "ruhigere" Bücher, doch diese müssen dennoch ein Gefühl der Beklemmung oder sonstiges in mir hervorrufen. Bei "Walt" war ich von der Idee mit den Einkaufslisten zunächst begeistert, doch nach einigen Seiten langweilte mich seine Interpretation. Sie trägt der Entwicklung der Geschichte nicht bei und auch Walts oft abschweifende Gedanken, machten das Lesen teilweise zu einer zähen Angelegenheit. Hier möchte ich jedoch betonen, dass die Umsetzung keinesfalls schlecht sondern (wie so oft) Geschmackssache ist und meinen Geschmack einfach nicht getroffen hat. Ich bin mir sicher, dass das Buch genau wegen meiner Kritikpunkte einige Leser begeistern wird.

Das Ende hat mir gut gefallen. Es konnte mich zwar nicht überraschen, lies mich aber schaudern womit das Gefühl der Beklemmung, das ich in den vorherigen 300 Seiten vermisst habe, doch noch noch erreichte.

Fazit: Ein Buch, mit dem ich mich stellenweise sehr schwer getan habe. Schreibstil und Charakter konnten mich überzeugen, doch das Vergnügen am Lesen wollte sich nicht so recht einstellen.

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