Mittwoch, 30. November 2016

Rezension: Colm Tóibín - Nora Webster

OT: Nora Webster 
Übersetzung: Giovanni Bandini, Ditte Bandini 
Preis Ebook: 19,99€
Preis Hardcover: 26,00€
Seitenanzahl: 384 Seiten 
Verlag: Carl Hanser

ISBN: 978-3446250635 
Erscheinungsdatum: 22. August 2016 
Genre: Roman 
Reihe: Einzelband 
Meine Wertung: 4,5/5 Sterne

Klappentext Als ihr Mann viel zu früh stirbt, verfällt Nora Webster in einen Schockzustand. Es ist das provinzielle Irland der 60er Jahre, in dem sie nun versuchen muss, sich in einem selbstbestimmten Leben als Frau und Mutter von vier Kindern zurechtzufinden. Jeder kennt jeden in der kleinen Stadt, das macht all die Entscheidungen, die sie nun alleine fällen muss, nicht einfacher. Nora ist katholisch und unkonventionell, mit grimmiger Intelligenz sucht sie neue Wege für sich und ihre Kinder. In seinem großen Roman gelingt Colm Tóibín das Porträt einer Frau, die die Unabhängigkeit ihrer Gefühle bewahrt. Nora Webster ist eine der bleibenden Frauenfiguren der Literatur.

Beim Stöbern auf der Frankfurter Buchmesse, entdeckte ich "Nora Webster" von Colm Toibin und war bereits nach den ersten Seiten Feuer und Flamme. Umso mehr freute ich mich darüber, als ich wenige Wochen später mein eigenes Exemplar in der Hand hielt und die gesamte Geschichte lesen konnte.

"Nora Webster" handelt von einer verwitweten Frau und ihrem Weg zurück ins Leben. Das Leben einer alleinerziehenden Mutter ist nie leicht, schon gar nicht im Irland der 60er Jahre. Noras Trauer um ihren Mann Maurice spielt in diesem Buch eine allgegenwärtige Rolle, wobei diese vom Autor nicht ausgesprochen werden muss. Colm Toibin beschreibt meisterhaft, wie Trauer den Menschen verändert und welch langer und schwerer es für die Hinterbliebenen ist, wieder mit dem Leben fertig zu werden.

Die Beschreibung der Protagonistin ist unglaublich detailliert. Sie ist hart und unsicher zugleich. Sie ist stur und sie sagt und tut Dinge, die auf den ersten Blick nicht immer sympathisch sind. So ist sie beispielsweise nicht gerade dankbar für die Hilfe, die ihr zuteilwird. Sie empfindet diese als lästig, nimmt sie aber meist dennoch an. Oft auch deshalb, weil ihr gar nichts anderes übrig bleibt. Dank des Mitgefühls ihrer ehemaligen Arbeitgeber, erhält sie ihren alten Bürojob zurück, den sie jedoch früher schon nicht ausstehen konnte. Die Arbeitgeber kommen ihr nach kurzer Zeit sogar nochmals entgegen und zahlen ihr dasselbe Gehalt trotz Stundenreduzierung. Dennoch tritt Nora der Gewerkschaft bei, wohl einfach, weil sie dazu eingeladen wurde und kränkt ihre Arbeitgeber damit sehr. Es fällt ihr schwer Entscheidungen zu ihrer Gunsten zu treffen, wie sich bspw. einen Plattenspieler zu kaufen. Des Weiteren wird ihr Verhältnis zu ihren Kindern genauer betrachtet. Ihre beiden Töchter Aine und Fiona sind bereits aus dem Haus, während die beiden Jungs, Donal und Conor, noch Kinder sind und bei ihr leben. Noras Liebe zu ihren Kindern ist authentisch und für den Leser spürbar und doch hat sie Probleme, ebendiese Gefühle zu zeigen. Sie leidet darunter, wenn auch ohne dass dies genauer beschrieben wird, dass die Kinder ihrer Schwester mehr erzählen als ihr, sucht im gleichen Moment aber nach einer Begründung, warum dies wohl so ist. In diesen Momenten war für mich Noras Einsamkeit und Trauer am stärksten spürbar. Auch den Unterschied der Beziehung von Müttern zu ihren Söhnen bzw. Töchtern beschreibt Toibin gekonnt.

Toibins Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Er ist intensiv und eindringlich. Es gab immer wieder Szenen, welche mich nicht zuletzt durch Sprache und Wortwahl berührten und ich bin begeistert von seiner Fähigkeit unterschiedliche Stimmungen und Atmosphären zu schaffen. Das Buch ist in einem sehr ruhigen Ton geschrieben und schaffte es, mich auch ohne unerwartete Wendungen an die Seiten zu fesseln.

Den Charakter Nora Webster habe ich bereits beschrieben und für seinen Tiefgang gelobt, doch auch die Nebencharaktere in diesem Werk dürfen nicht unerwähnt bleiben. Egal ob die Schwestern, die Kinder, die Arbeitgeber oder die Kollegin...all diesen Charaktere konnte der Autor ausreichend Leben einhauchen, dass auch diese authentisch wirkten.

Fazit: Dank Nora Webster kann ich es kaum erwarten weitere Bücher dieses großartigen Autors zu lesen. Ein Buch, das noch lange in mir nachhallen wird und das ich mit großer Sicherheit noch einmal lesen werde.

Samstag, 26. November 2016

Rezension: Libba Bray - Der geheime Zirkel 03 Kartiks Schicksal

OT: The Sweet Far Thing 
Übersetzung: Ingrid Weixelbaumer
Preis Ebook: 6,99 €
Preis Hardcover: 12,95€
Seitenanzahl: 864 Seiten
Verlag: dtv

ISBN: 978-3423716857
Erscheinungsdatum: 23. September 2016
Genre: Historische Jugendfantasy
Reihe: Einzelband

Meine Wertung: 3/5 Sterne

Klappentext Der Zugang zum magischen Reich scheint für immer verschlossen – Gemma gelingt es nicht mehr, das Tor aus Licht erscheinen zu lassen. Dabei bräuchten die Freundinnen die Magie gerade nötiger denn je. Ann soll ihren Dienst als Gouvernante antreten und Felicity den Langweiler Horace heiraten. Doch dann legen Bauarbeiter einen merkwürdigen Stein mit dem Umriss des Mondauges darauf frei.

Wie schon bei dem zweiten Band der Trilogie, brauchte ich auch hier nur wenige Seiten um in die Geschichte zu finden. Nachdem Gemma die Magie an sich binden konnte, bleibt ihr der Zutritt ins magische Reich verwehrt. Doch um die Magie wieder zum Leben erwecken zu können, muss Gemma das magische Reich betreten.

Sehr gut gefallen hat mir in diesem Buch wieder die Sprache der Autorin. Auch wenn das Buch einige Längen aufwies, wurden diese durch den Stil und der Sprache deutlich aufgewertet ;) Was mir an der Trilogie insgesamt am besten gefallen hat, war auf jeden Fall der Schauplatz: England im 19. Jahrhundert. Ich werde in Zukunft nach weiteren Büchern, in welchen Fantasy und historischer Roman miteinander vermischt werden, Ausschau halten. Auch die Charaktere und deren Handlungen passten einach perfekt zum Ende des 19. Jahrhunderts, sodass das Ganze sehr authentisch wirkte.

Ebenso gut gefallen hat mir die Charakterentwicklung von Gemma, Ann und Felicity. Durch ihre Erlebnisse und Erfahrungen entwickeln sie sich über die drei Bände weiter und entwickeln somit, vor allem zum Ende hin, eine gewisse Tiefe.

Was mir an diesem Band jedoch weniger gefallen hat, waren die krassen Längen, die die Geschichte hin und wieder aufwies. Klar, bei einem Buch von 864 Seiten ist es schwierig die Spannung aufrecht erhalten. Doch manchmal passierte einfach gar nichts oder die Geschehnisse drehten sich im Kreis. So war ich zwischendurch mal so genervt, dass ich das Buch einige Tage zur Seite legte und ein anderes las. Auch die Liebesgeschichte zwischen Kartik und Gemma ist für meinen Geschmack viel zu oberflächlich gehalten. Ich bin die letzte, die in jedem Buch eine große Liebesgeschichte benötigt, aber wenn eine eingebaut wird, dann bitte mit Tiefe und Authentizität.

Das Ende des Buches und somit das Ende der Trilogie, konnte mich zufriedenstellen und lies mich mit einer gewissen Wehmut zurück, dass es keine weiteren Bände der Trilogie geben wird.

Fazit: Leider der schwächste Band der Trilogie, der mir aufgrund der tollen Atmosphäre, der gelungenen Charakterentwicklung und der spannden Ereignisse dennoch einige schöne Lesestunden bescheren konnte.

Freitag, 18. November 2016

Rezension: Emma Braslavsky - Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen

Preis Ebook: 20,99 €
Preis Hardcover: 24,00€
Seitenanzahl: 462 Seiten
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3518425442

Erscheinungsdatum: 11. September 2016
Genre: Roman
Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 4,5/5 Sterne

Klappentext Bessere Menschen. Falsche Tiere. Aussteiger im Paradies. Die einen wollen die Natur retten, den Planeten, die Menschheit. Die anderen nur sich selbst: vor Spielschulden, Ehekrächen, Einsamkeit. In »Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen« erzählt Emma Braslavsky ein großes, packendes Abenteuer – über Fluch und Segen des Menschseins, über unsere Suche nach Erkenntnis und Wahrhaftigkeit. Und nie weiß man, ob man aus Verzweiflung lacht oder vor Glück.

Dieses Buch ist anders als alles, was ich bislang gelesen habe. "Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen" ist ein Buch über den Menschen. Über seine Verhaltensweisen, seine Bedürfnisse, seine Charakterzüge, seinen ewigen Drang, ein guter Mensch zu sein. Dabei schafft es die Autorin mit einer Mischung aus Kritik und einer ordentlichen Portion Humor unterschiedliche Arten von Menschen darzustellen, ohne dass der Leser sich auch nur eine Seite langweilt. Man erkennt sich, Freunde, Bekannte und Unbekannte wieder und beginnt zu reflektieren. Manchmal kann man daüber lachen, manchmal nur über sich selbst den Kopf schütteln. An einer Stelle, beobachtet eine der Protagonistinnen:


"Ich sah nur noch negative Aspekte, Leute im ungehemmten Kaufrausch, die sich selbstverliebt bewegten und nur Neid und Spott für andere übrig hatten. Hat der mehr als ich, bin ich besser?" (S. 293)

Das Buch ist in mehrere Handlungsstränge unterteilt. Jivan und Jo sind ein Pärchen in den 40ern. Jivan ist spielsüchtig, denkt in erster Linie an sich selbst und versucht um jeden Preis, seine Ehe mit Jo zu retten. Wieso ihm das so wichtig ist, weiß nicht mal er selbst. Vielleicht einfach, weil er es so will? Er unterstützt Jo in beruflicher Weise, erwartet als "Gegenleistung" einen Sohn, eine Frau die ihn anhimmelt und ein perfektes Leben. Jo hingegen versucht fanatisch ein besserer Mensch zu werden. Zuerst bei der Organisation Animal Rights, die der Meinung sind, dass der Mensch lediglich existiert um das Leben der Tiere besser zu machen. Später arbeitet sie für Life from Zero und geht in ihre Rolle als Weltverbesserin völlig auf. Natürlich vergessen sie und die anderen Weltverbesserer dabei nicht, sich selbst für ihre Perfektion zu feiern und auf andere Menschen herab zu sehen. 

Dann gibt es noch die 19-jährige Roana, welche von ihrem Vater in einer Vulkanlandschaft in Argentinien ausgesetzt wurde und sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens begibt. Auf ihrer Suche trifft sie Menschen, die als Gorilla verkleidet die Welt verändern wollen, Kabbalisten und viele weitere interessante Charaktere.

Neben den zwei Haupthandlungssträngen gibt es immer wieder kurze Kapitel von No und seiner Freundin Jule, die sich bereits im Paradies befinden. Geschrieben in Tagebuchform und einem anschließenden kurzen Dialog der beiden. Auch Ausschnitte eines Blogs bekomm man hin und wieder zu lesen, ebenso wie Zeitungsausschnitte.

Ich bin ein Freund von Büchern mit mehreren Handlungssträngen und/oder Perspektiven. Meist werde ich beim Lesen jedoch enttäuscht, da sich weder die unterschiedlichen Perspektiven noch die Handlungsstränge in Stil und Sprache voneinander unterscheiden. Dies ist hier nicht der Fall. Tatsächlich habe ich bisher selten ein Buch gelesen, in welchem dem Autoren dies so perfekt gelungen ist, wie hier Emma Braslavsky. Sprache und Stil unterscheiden sich in jedem Handlungsstrang sehr stark voneinander und sind in jeder Perspektive authentisch. Schon allein für die Sprache, erhält Emma Braslavsky 5 Sterne.

Doch damit nicht genug! Denn die Autorin schafft es nicht nur, den Leser durch ihre Sprache in den Bann zu ziehen. Sie überzeugt auch durch den Humor des Buches, der das Buch jedoch zu keiner Zeit seicht oder platt wirken lässt. Das Buch regt zum Nachenken an. Dabei fühlte ich mich bei meinem Denken zu keiner Zeit in eine Ecke gedrängt oder verurteilt. Vieles ist überspitzt, alles kritisch und doch darf der Leser sich über die Protagonisten (und letztendlich auch sich selbst) sein eigenes Bild machen.

"Denn was ist der Mensch, liebe Menschen? Er ist dumm, weil er intelligent sein muss, und je intelligenter er wird, desto dümmer wird er sich fühlen." (S. 398)

Kurz gesagt: Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. War gefesselt vom Schreibstil, der perfekten Charakterisierung des Menschen, dem Humor und auch der Handlung.

Fazit: Ein gelungener Roman über den Menschen, der zum Nachdenken anregt und dabei zu keiner Zeit mit erhobenem Zeigefinger oder ernsten Fakten daher kommt. Ein Buch, dass den Leser im einen Moment lachen, im anderen verstummen lässt.


Mittwoch, 16. November 2016

Rezension: Paige McKenzie - Sunshine Girl 01 Die Heimsuchung

OT: The Haunting of Sunshine Girl 
Übersetzung: Doris Hummel 
Preis Ebook: 14,99 € 
Preis Hardcover: 16,99€ 
Seitenanzahl: 336 Seiten
Verlag: Bloomoon

ISBN: 978-3845814032 
Erscheinungsdatum: 18. August 2016
Genre: Jugendfantasy 
Reihe: Band 1/? 
Meine Wertung: 4/5 Sterne

Klappentext Kurz nach ihrem sechzehnten Geburtstag zieht Sunshine mit ihrer Mutter Kat vom sonnigen Texas ins verregnete Washington. Obwohl Sunshine adoptiert ist verbindet sie mit ihrer Mutter ein besonders enges Band – sie ist ihre beste Freundin und engste Vertraute. Doch von dem Moment an, in dem die beiden in ihr neues Haus gezogen sind, weiß Sunshine, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist. Die Welt ist dunkler und kälter geworden und auch wenn ihre Mutter Kat, die voll und ganz von ihrem neuen Job im Krankenhaus in Beschlag genommen ist, es nicht wahrhaben will: Etwas an ihrem neuen Zuhause fühlt sich einfach nur gruselig an. Und die Dinge werden immer merkwürdiger: Türen schließen sich von selbst, kalter Wind zieht durch geschlossene Fenster, nachts hört Sunshine Lachen und Seufzen – doch niemand glaubt ihr. Ihre Mutter und selbst ihre beste Freundin in Texas vermuten einfach nur einen schlimmen Fall von Heimweh. Als die Geister immer bedrohlicher werden und Sunshine erkennt, dass Kat in großer Gefahr schwebt, muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen – und ihre Mutter vor einem Schicksal bewahren, dass schlimmer ist als der Tod.

Der Klappentext machte mich direkt neugierig auf das Buch und umso gespannter war ich, als ich endlich mit dem Lesen begann.

Sunshine ist gerade 16 geworden und fühlt sich unwohl in ihrem neuen Zuhause. Nachts hört sie Kinderlachen und Schritte. Als sich dann auch noch ihre Mom verändert, muss Sunshine etwas unternehmen um der Wahrheit, über Geister und letztenendes auch über sich selbst, auf den Grund zu gehen.

Der Schreibstil von Paige McKenzie ist sehr leicht und flüssig zu lesen. Dank des einfachen Schreibstils fliegen die Seiten nur so dahin. Die Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Kat ist eine tolle und authentische Mom, Sunshine ein flippiges Mädchen, das trotz des jungen Alters genau weiß, was sie will. Auch Nolan, der Sunshine auf ihrem Weg zur Wahrheit und darüber hinaus beisteht, ist ein toller Kerl, den ich schnell in mein Herz geschlossen habe. Die Charaktere machen auf jeden Fall Lust, ebendiese für einige Zeit weiter zu verfolgen.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich aber und das ist das mehrfache Rechtfertigen der Protagonistin gegenüber dem Leser. Sie rechtfertigt sich dafür, dass sie zu oft das Wort "gruselig" benutzt, ebenso entschuldigt sie sich für gewisse Taten oder Reaktionen. Dies störte mich ein klein wenig beim Lesen, auch wenn ich zum großen Teil darüber hinwegsehen konnte. Gerade Rechtfertigungen bei Wortwiederholen wirken auf mich, als würde die Autorin sich entschuldigen, weil es kein Synonym gibt oder ihr gerade keines einfällt ;)

Ansonsten erfüllte die Geschichte zu 100% meinen Erwartungen. Ich erhoffte mir ein kurzweiliges, gruseliges Jugendbuch mit sympathischen Charakteren und erhielt genau das. Darüber hinaus konnte mich die Geschichte mit all ihren Wendungen überraschen. Die Spannung im Buch wurde von Beginn an aufgebaut und über das komplette Buch gehalten, sodass ich mich keine Seite langweilte.

Fazit: Ein spannendes Jugendbuch, das neben verschiedenen Gruselelementen auch durch authentische und liebenswerte Charaktere sowie durch überraschende Wendungen überzeugen konnte.