Freitag, 18. November 2016

Rezension: Emma Braslavsky - Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen

Preis Ebook: 20,99 €
Preis Hardcover: 24,00€
Seitenanzahl: 462 Seiten
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3518425442

Erscheinungsdatum: 11. September 2016
Genre: Roman
Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 4,5/5 Sterne

Klappentext Bessere Menschen. Falsche Tiere. Aussteiger im Paradies. Die einen wollen die Natur retten, den Planeten, die Menschheit. Die anderen nur sich selbst: vor Spielschulden, Ehekrächen, Einsamkeit. In »Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen« erzählt Emma Braslavsky ein großes, packendes Abenteuer – über Fluch und Segen des Menschseins, über unsere Suche nach Erkenntnis und Wahrhaftigkeit. Und nie weiß man, ob man aus Verzweiflung lacht oder vor Glück.

Dieses Buch ist anders als alles, was ich bislang gelesen habe. "Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen" ist ein Buch über den Menschen. Über seine Verhaltensweisen, seine Bedürfnisse, seine Charakterzüge, seinen ewigen Drang, ein guter Mensch zu sein. Dabei schafft es die Autorin mit einer Mischung aus Kritik und einer ordentlichen Portion Humor unterschiedliche Arten von Menschen darzustellen, ohne dass der Leser sich auch nur eine Seite langweilt. Man erkennt sich, Freunde, Bekannte und Unbekannte wieder und beginnt zu reflektieren. Manchmal kann man daüber lachen, manchmal nur über sich selbst den Kopf schütteln. An einer Stelle, beobachtet eine der Protagonistinnen:


"Ich sah nur noch negative Aspekte, Leute im ungehemmten Kaufrausch, die sich selbstverliebt bewegten und nur Neid und Spott für andere übrig hatten. Hat der mehr als ich, bin ich besser?" (S. 293)

Das Buch ist in mehrere Handlungsstränge unterteilt. Jivan und Jo sind ein Pärchen in den 40ern. Jivan ist spielsüchtig, denkt in erster Linie an sich selbst und versucht um jeden Preis, seine Ehe mit Jo zu retten. Wieso ihm das so wichtig ist, weiß nicht mal er selbst. Vielleicht einfach, weil er es so will? Er unterstützt Jo in beruflicher Weise, erwartet als "Gegenleistung" einen Sohn, eine Frau die ihn anhimmelt und ein perfektes Leben. Jo hingegen versucht fanatisch ein besserer Mensch zu werden. Zuerst bei der Organisation Animal Rights, die der Meinung sind, dass der Mensch lediglich existiert um das Leben der Tiere besser zu machen. Später arbeitet sie für Life from Zero und geht in ihre Rolle als Weltverbesserin völlig auf. Natürlich vergessen sie und die anderen Weltverbesserer dabei nicht, sich selbst für ihre Perfektion zu feiern und auf andere Menschen herab zu sehen. 

Dann gibt es noch die 19-jährige Roana, welche von ihrem Vater in einer Vulkanlandschaft in Argentinien ausgesetzt wurde und sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens begibt. Auf ihrer Suche trifft sie Menschen, die als Gorilla verkleidet die Welt verändern wollen, Kabbalisten und viele weitere interessante Charaktere.

Neben den zwei Haupthandlungssträngen gibt es immer wieder kurze Kapitel von No und seiner Freundin Jule, die sich bereits im Paradies befinden. Geschrieben in Tagebuchform und einem anschließenden kurzen Dialog der beiden. Auch Ausschnitte eines Blogs bekomm man hin und wieder zu lesen, ebenso wie Zeitungsausschnitte.

Ich bin ein Freund von Büchern mit mehreren Handlungssträngen und/oder Perspektiven. Meist werde ich beim Lesen jedoch enttäuscht, da sich weder die unterschiedlichen Perspektiven noch die Handlungsstränge in Stil und Sprache voneinander unterscheiden. Dies ist hier nicht der Fall. Tatsächlich habe ich bisher selten ein Buch gelesen, in welchem dem Autoren dies so perfekt gelungen ist, wie hier Emma Braslavsky. Sprache und Stil unterscheiden sich in jedem Handlungsstrang sehr stark voneinander und sind in jeder Perspektive authentisch. Schon allein für die Sprache, erhält Emma Braslavsky 5 Sterne.

Doch damit nicht genug! Denn die Autorin schafft es nicht nur, den Leser durch ihre Sprache in den Bann zu ziehen. Sie überzeugt auch durch den Humor des Buches, der das Buch jedoch zu keiner Zeit seicht oder platt wirken lässt. Das Buch regt zum Nachenken an. Dabei fühlte ich mich bei meinem Denken zu keiner Zeit in eine Ecke gedrängt oder verurteilt. Vieles ist überspitzt, alles kritisch und doch darf der Leser sich über die Protagonisten (und letztendlich auch sich selbst) sein eigenes Bild machen.

"Denn was ist der Mensch, liebe Menschen? Er ist dumm, weil er intelligent sein muss, und je intelligenter er wird, desto dümmer wird er sich fühlen." (S. 398)

Kurz gesagt: Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. War gefesselt vom Schreibstil, der perfekten Charakterisierung des Menschen, dem Humor und auch der Handlung.

Fazit: Ein gelungener Roman über den Menschen, der zum Nachdenken anregt und dabei zu keiner Zeit mit erhobenem Zeigefinger oder ernsten Fakten daher kommt. Ein Buch, dass den Leser im einen Moment lachen, im anderen verstummen lässt.


1 Kommentar:

  1. Hört sich nach einem Buch an das mir richtig gut gefallen wird. Meine Frage: Wieso hat das Buch "nur" 4,5 von 5 Sternen bekommen, obwohl du nur positive Dinge aufgezählt hast?
    Liebe Grüße,
    Lele, lifeofaboredgirl.wordpress.com

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