Sonntag, 26. Februar 2017

Rezension: Fuminori Nakamura - Der Dieb

OT: Suri
Übersetzung: Thomas Eggenberg
Preis Ebook: 18,99 €
Preis Hardcover: 22,00€
Seitenanzahl: 224 Seiten

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3257069457
Erscheinungsdatum: 23. September 2015
Genre: Thriller
Reihe: Einzelband

Klappentext Er betreibt sein Metier in den belebten Straßen Tokios und den überfüllten Wagen der U-Bahn. Er stiehlt mit kunstvollen, fließenden Bewegungen. Der Diebstahl ist der Kick in seinem Leben, das Gefühl, seinem Schicksal zu entrinnen – für den Moment. Doch seine dunkle Vergangenheit holt ihn wieder ein. Ein grandioser Thriller und eine dunkle, abgründige Geschichte über Schicksal und Einsamkeit.

Bisher habe ich erst wenige Bücher aus Japan gelesen. In den Genuss einer Thomas Eggenberg Übersetzung kam ich bereits, was mein Interesse an "Der Dieb" entfachte. Meine Erwartungen wurden erfüllt, denn auf diesen gut 200 Seiten findet sich einfach alles. Liebe und Sehnsucht, Verzweiflung und Hoffnung, ein abscheulicher Bösewicht, ein sympathischer Dieb, der einem kleinen Jungen hilft und alles dafür tut, dass dieser dem prügelnden Liebhaber seiner Mutter entkommt.

Der Protagonist bleibt während der gesamten Geschichte namenlos, was mir während des Lesens nicht einmal auffiel. Als geübter Dieb stiehlt er Portmonnaies aus Hosentaschen, Schultertaschen, Mantelinnentaschen, Hemdtaschen. Kein Diebstahl ist ihm zu schwierig. Er stiehlt so viel wie er zum Leben braucht, teilt mit anderen und gibt das Portmonnaie selbst immer zurück. Er hat seine Prinzipien. Eines Tages macht er Bekanntschaft mit einem Jungen, den er beim Stehlen im Supermarkt erwischt. Wenn auch zunächst widerwillig entsteht zwischen den beiden eine besondere Freundschaft. Der Dieb versucht den Jungen zu unterstützen, gibt ihm Geld und redet ihm das Stehlen aus.

Nachdem der Dieb glaubte, der mächtige Kizaki, mit welchem er zu einem früheren Zeitpunkt bereits in Berührung kam, hätte sein Interesse an ihm verloren, taucht eben dieser wieder auf der Bildfläche auf und erpresst unseren Dieb. Dieser soll drei besonders knifflige Diebstähle für Kizaki erledigen. Gelingt ihm dies nicht, stirbt er. Weigert er sich, sterben er, der Junge und seine Mutter.

Die Sprache ist knapp, leicht verständlich und dennoch kunstvoll. Denn bei Nakamura sitzt wirklich jedes Wort. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und zieht den Leser direkt ins Geschehen. Gerne las ich, wie der Dieb Menschen bestahl. Ich spürte seine Konzentration, den Adrenalinkick und die Befriedigung, als die Tat unbemerkt blieb und gelang. Die Stimmung verändert sich während des gesamten Buches sehr stark. Kommt die Geschichte zunächst leicht und beinahe fröhlich daher, wird die Situation im Laufe des Buches immer auswegloser. Ich begann mit dem Protagonisten zu verzweifeln und trotzdem weiter zu hoffen.

Die Charaktere mögen zunächst wie Stereotypen erscheinen und doch habe ich schon lange keinen so abgrundtief widerwärtigen Bösewicht in einem Buch erfahren.

"Angesichts einer Frau zu lachen, die sich in Schmerzen windet, ist einfallslos. Wenn du eine leidende Frau siehst, dann fühle mit ihr, hab Erbarmen mit ihr, stell dir ihre Qualen vor und ihre Eltern, die sie aufgezogen haben, weine Tränen der Trauer - und peinige sie noch mehr!" (S. 145)

Der Protagonist, ein Dieb, aber dennoch "ein Guter", erhielt schnell meine Sympathie, ebenso wie dessen Freund Ishikawa oder der kleine Junge.

Spannung kommt in diesem Buch schon sehr früh auf und lässt bis zum Ende nicht nach. Dem Leser bleibt also gar nichts anderes übrig, als das Buch in einem Rutsch zu lesen. Das Ende selbst ist außergewöhnlich und gefiel mit vor allem deshalb enorm gut.

Fazit: Ein Buch, mit einer ganz besonderen Atmosphäre, die mich von Anfang bis Ende fesseln und begeistern konnte. 

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